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Dänemark: Drei Konkurrenten auf niedrigem Niveau, oder: Wenn zwei sich streiten – Ejer Bavnehøj und Yding Skovhøj –  freut sich der dritte: Møllehøj



Der offizielle, aber falsche Höchste – Ejer Bavnehøj

Auszüge:

 

Der scheinbar höchste, aber falsche – Yding Skovhøj


"Der höchste Berg Dänemarks. Ist er überhaupt der höchste? Hier tobt ein erbitterter Expertenstreit. Bis 1847 hat man geglaubt, der Himmelbjerget bei Silkeborg sei der höchste. Schon die erste Vermessung des Generalstabs stellte den Irrtum klar: Der Himmelbjerget ist mit seinen 147,2 Meter genau 24 Meter niedriger. Doch noch nach 155 Jahren steckt der Glaube noch tief in dänischen Hirnen: Vermutlich die Hälfte aller Dänen, die zu dem Thema überhaupt eine Meinung haben, tippt auf Himmelbjerget, wenn man sie nach ihrem Höchsten frägt.

Mit der Vermessung damals war der Streit nur für ein knappes Jahrhundert beigelegt; man hielt nun den Yding Skovhøj mit 172,66 Meter für den höchsten im Lande. Bei einem neuerlichen Präzisionsnivellement des Geodätischen Instituts entdeckte man jedoch 1941, daß ein Hügel in etwa zweieinhalb Kilometer Entfernung östlich, der Ejer Baunehøj, obwohl etwa zwei Meter niedriger, doch als der 'wahre' Höchste gelten mußte, denn die Höhe des Yding Skovhøj kam nur durch einen aufgesetzten bronzezeitlichen Grabhügel zustande. Zog man die Höhe dieses künstlichen Gebildes ab, na ja, dann wurde es überhaupt eigentlich erst unklar. Wahrscheinlichkeitsbetrachtungen über die 'wahre' Höhe des Yding Skovhøj ergaben, daß der Ejer Baunehøj mit 170,95 Meter Höhe den Konkurrenten im Westen um sechs Zentimeter schlug, ins zweite Glied verwies.

Und schon bin ich mitten drin im Durcheinander der Meßergebnisse. Das war nicht die letzte Vermessung. Um 1990 herum wiederholte das Nationale Vermessungs- und Katasterinstitut – Kort og Matrikelstyrelsen KMS – die Übung. Im Jahre 2002 korrigierte man die Ergebnisse dieses Präzisionsnivellements nach 'DVR90' und kam zu dem Ergebnis, dass Ejer Baunehøj um sechs Zentimeter auf 170,89 Meter gesunken war; glücklicherweise traf dasselbe Schicksal auch den Yding Skovhøj – er wurde nun auf 170,83 gestaucht.

DVR90. Was ist das? 'Dansk Vertikal Reference 1990' bedeutet die Abkürzung – und alles Weitere muß ich dem Internet entnehmen: Im Juni 2002 hat man die Ergebnisse nach dieser neuen Vermessungsmethode in dänische Landkarten eingeführt. Das alte System DNN, 'Dansk Normal Nul', das den Meeresspiegel vom Hafen Esbjerg 1990 zum Bezug nahm, hatte ausgedient. Der Witz ist, es genügt nicht, nur Höhen zu vermessen, man muß sich auch um den Bezugspunkt kümmern. Und der war im Lauf der Zeit immer mehr in Verruf gekommen, da der Meeresspiegel langsam stieg.


 

Gipfel? Oder nicht der Gipfel? Das ist hier die Frage.

 

Die Højdemærke am Fikspunkt: Das GI – Geodætiske Institut – muss hier schon auf den Zentimeter genau messen.

 

"Im Unterholz entdecke ich einen Vermessungspunkt und ein Steinmännchen, das offenbar seinen Ort markiert. Wenn es um Zentimeter geht, erscheint mir die Wahl des Punktes etwas willkürlich. Wer weiß, ob es nicht nebenan Gelände gibt, das ein paar Zentimeter höher ist? Zum Beweis, daß ich hier war, notiere ich mir die Nummer, die unter dem zentralen Dreieck eingeschlagen ist: 107 – 13 – 007.

Soll ich dem Fürsten aus der älteren Bronzezeit, der hier irgendwann zwischen 1800 und 1000 vor Christus in Kleidern und Schmuck begraben wurde, die Ehre zugestehen, den höchsten Punkt Dänemarks einzunehmen? Ist sein Grab künstlich? Von Menschenhand angebrachte Fälschung der Natur? Sieben weitere Grabhügel liegen im Wald um den Gipfel des Yding Skovhøj herum verstreut. Alle würden Ehrerbietung verdienen. Doch wenn ich das zugestehen würde, dann wäre der Ejer Baunehøj mit seinem dreizehn Meter hohen Aussichtsturm unangefochten der höchste. Unangefochten? Wären dann nicht die Spitzen der Brückenpfeiler der gerade fertiggestellten Hochbrücke über den Großen Belt, die Storebæltsbroen, der höchste Punkt?"


"In der Nähe, zweihundert Meter westlich, soll es den Møllehøj geben, den Mühle-Hügel. Niemand beschäftigt sich mit ihm. Keiner hat ihn bis vor kurzem vermessen. Keiner hat ihn auch bisher vermißt. Jetzt sind manche so vermessen, ihn zu besuchen, um ihn ermessen zu können. Das 'Problem' ist, daß der Møllehøj Ackergelände ist, und seine Höhe je nachdem, wie der Bauer gerade seine Furchen zieht, um plus oder minus zehn Zentimeter schwankt. Jetzt muß ich die zweihundert Meter hinüberschleichen, über den Acker, und nach der höchsten Krume auf dem Møllehøj Ausschau halten!

Man muß wissen, wie man am besten hinüberkommt. Dazu gibt es einen Weg, an Elektrozäunen entlang, Zugang zu den Ställen einer Farm. Zwischen den Ställen durch – hoffentlich ohne daß der Bauer etwas dagegen hat! Insgesamt wird die Strecke dadurch länger als per Luftlinie; es gibt Leute, die die Distanz auf 375 Meter schätzen. So genau läßt sich das gar nicht sagen, denn wo ist der Gipfel des Møllehøj überhaupt? Kühe stehen da untätig herum, kauen und glotzen mich dumm an.

Ich blicke um mich – alles flach. Irgendwo hier auf dieser Wiese muß der Gipfel sein. Ich beschließe, daß ich auf ihm stand, um dem Spiel ein frühes Ende zu bereiten. Die Gipfelbilder, die ich zu Dokumentationszwecken aufnehmen sind eines so blöd wie das andere. Am schönsten noch ist der Rückblick zum Turm des Ejer Bavnehøj, und zum ersten Mal wird mir bewußt, daß zwischen beiden 'Bergen' sogar so etwas wie ein Tälchen liegt und ein Sattel, den ich überquert habe. Ich bin versucht, die bergsteigerische Leistung hochzustilisieren."

 

Dieses Kapitel ist erhältlich als Teil von Buch P und

als CD mit pdf-Datei, 129 Seiten,  davon 91 teilweise mit Bildern, Karten, Wegskizzen und/oder Höhenprofilen, in Plexiglas-Hülle,
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