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 Warten auf Ferdinandea: Wem gehört diese Insel unter dem Meer?

 Vakuum im Mittelmeer: Die theoretische See-Enklave südlich Lampedusa

Zwischen dem Königreich Beider Sizilien, England, Frankreich und Spanien umstrittene, inzwischen im Meer versunkene Vulkaninsel

 

Auf dem niedrigsten aller meiner Berge: Warum nicht auch Bergsteigen unter Wasser?

Auszüge:


„In einem Gewittersturm fahre ich auf der italienischen Autobahn von Neapel nach Süden. Meine Aufmerksamkeit ist absorbiert von dem dunklen Himmel, dem Regen, den Blitzen, den Scheinwerfern der viel zu schnell an mir vorbeizischenden Autos, den Schwerlastern und den Sprühspritzern, die fensterhoch von den Reifen der Vordermänner aufsteigen. In den Schleiern der Regenfontänen wird mir bewußt, welches Vergnügen ich mir immer wieder selbst auf meinen Reisen bereite. Die Freiheit, die Eroberungen 'meiner' Berge, gemischt mit der Freude an scheinbar sinnlosem Tun, das alles hatte mich schon früher gefesselt. Was plötzlich dazukommt, ist die Furcht, daß alles umsonst sein könnte, wenn ich es nicht in irgendeiner geeigneten Form aufschreiben und für die Nachwelt erhalten könnte. Nichts würde meine Reisen interessant machen und mein Vergnügen vollenden, wenn da nicht immer irgendwas zu schreiben wäre, wenn ich mir nicht Gedanken machen müßte, was ich als nächstes tun würde und was als nächstes zu sehen sei. Allein nur meine Besteigungen schildern wäre nicht genug. Wenn ich nicht auch von den Ländern und den Hintergründen für meine Reisen schreiben würde, wäre da kein Ziel und Zweck, und wenn ich mir nicht selbst einen Plan gesetzt hätte, ein Gitter, an dessen Kreuzungspunkten meine Ziele liegen, würde ich völlig ziellos in der Gegend umherfahren. Würde ich je überhaupt Ferdinandea mir zum Ziel gesetzt haben, wenn ich es nicht entdeckt hätte und für meine Zwecke vereinnahmen würde?

Statt Leere gibt es also nun Dringlichkeit, Drang, Zug, Ziele. Mein Reisebuch berichtet also nicht nur über Straßen und Wege, über Aufstiegsrouten und Kletterstellen; auch nicht nur über Gipfelkreuze – so etwas wäre in Europa vielleicht noch vor dreihundert Jahren als interessant durchgegangen, in Afrika würde es auch heute noch an vielen Stellen gehen. Da würde es oft genug sein zu sagen: ‚Hier war ich. Das bin ich, der hier aus dem alten, klapprigen Bus der Eingeborenen steigt, das bin ich, der sich von seltsamen Jungen den Weg zeigen läßt, die unterwegs merkwürdige Ansinnen äußern, den Weg hin zu einer schäbigen Unterkunft. Ich bin hier und nehme einen Drink in einer Bar zusammen mit ein paar lokalen Gestalten. Das bin ich, der ich hier später in der Nacht verloren geht.’ Diese Art zu reisen ist nicht wirklich erobern. So etwas tun nur Leute, die sich selbst gegen einen ausländischen Hintergrund definieren; und doch, je nachdem, wer da schreibt und wie, kann das Buch attraktiv sein.

Ein solches Buch über Europa zu schreiben ist ungeheuer schwer, kann nur von jemand geschrieben werden, der sich selbst irgendwie ausländisch gibt. Dies allerdings ist nicht einfach: Europa ist und kann nicht auf die einfache Art fremd sein, wie es Afrika ist. Europa ist zu gut bekannt, zu sehr photographiert, zu sehr beschrieben; und, da es besser organisiert und weniger informell ist, steht es einer zufälligen unvoreingenommenen Betrachtung nicht so offen, sollte man meinen. Ich würde jedenfalls tiefer bohren müssen.

Mein Anliegen war es, ganz am Beginn dieser Reise ein paar Linien meiner Forschung zu skizzieren, ein Thema zu definieren. Dieses Verfahren zeigte unterwegs seine eigenen Schwierigkeiten. Im Hinterkopf war immer die Sorge, daß ich an eine Stelle kommen würde, wo alle Bezugspunkte abbrechen und ich nicht über die Einförmigkeit einer Landstraße oder eines Ketten-Hotels, über die Flachheit der Landschaft hinwegkommen würde. Wenn ich also mit einem Thema reise, hat sich das zusätzlich zum vorgefaßten Plan auch noch während der Reise zu entwickeln. Am Anfang waren meine Interessen noch auf das halbe Hundert selbständiger Staaten Europas und ihre jeweils höchsten Berge konzentriert. Hübsch von vorne in der Mitte Europas angefangen, habe ich meine Schleifen schön organisiert gezogen, bis an die äußersten Ränder. Doch wo ist bei diesem Quergang eigentlich vorne, wo hinten? Ich weiß es nicht. Allein mich nur mit den 'üblichen' Staaten zu beschäftigen, schien jedoch bald zu breit, zu abgedroschen, zu langweilig. Da wurden meine Interessen tiefergehend, so wie die Berge oft verflachten zu einfachen Fixpunkten im Gelände. Grenzen, Grenzverknüpfungen, Grenzkapriolen kamen immer mehr ins Spiel; die verschiedenen Kapitel dieser Reise konnten nicht einfach nur Varianten ein und derselben Geschichte werden.

Mehr als die andere, ziellose Art des Reisens, hängt diese Art vom Glück ab. Sie hängt ab von den Leuten, die ich treffe, von der Art der Berge, die ich besteige, von den vielfältigen kleinen Erleuchtungen, die mir widerfahren, und von den Zufallsentdeckungen, die ich am Wegrande mache. Wie mit der sich schnell im Kreise drehenden nächsten Ausgabe einer Tageszeitung ändert sich die Gestalt des Kapitels, das gerade dran ist, kontinuierlich mit Zufälligkeiten. So war ich, während Italien eigentlich mein Thema hätte werden sollen, plötzlich auf Seborga gestoßen, einen Staat ohne Anerkennung, dann auf den Souveränen Orden der Malteserritter, einen Staat ohne Staatsgebiet, und zuletzt auf Ferdinandea, einen Staat, der niemals einer war und noch bevor er je einer hätte werden können, schon umstritten und gevierteilt worden war. Dazu mit einem ‚höchsten Berg’ acht Meter unter dem Meeresspiegel. Bin ich noch zu retten?

Ich würde Ferdinandea tatsächlich RICHTIG angehen müssen, wenn ich mein Hobby überhaupt ernst nehmen wollte. Ich würde meinen ersten und einzigen Unterwasserberg ‚besteigen’ müssen. Doch wie einfädeln?“





Gipfelbilder Ferdinandea


„Ich kann für mich in Anspruch nehmen, der erste zu sein, der die Disziplin ‚Unterwasser-Bergsteigen’ begründet hat. Hat jemand vor mir schon so gesponnen, so was Abgedrehtes ersonnen, daß er sich von oben auf einen Berg herabließ und dies als Bergsteigen bezeichnete?“

http://www.summitpost.org/view_object.php?object_id=503004&confirm_post=7

http://community.alpin.de/touren/1006/


Dieses Kapitel ist erhältlich als Teil von Buch L und

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