DE EN

Start

Warum?

Über mich

Die Höchsten

Gipfel & Grenzen

Von nun an geht's bergauf

Meine Höchsten

Deutschland extrem

Deutschland
ringsherum

Zu den Quellen!

602 Grenzsteine

Vier Grate-Ein Gipfel

Eigener Staat oder Niemandsland?

Wall und Graben

Pfad zur Pfalz

Berge der Bibel

Was als Nächstes?

Schlüsselbegriffe

Links

Impressum/AGB

 

Vergessenes Turkvolk: die Gagausen – Namenloser Punkt südöstlich von Tschukur-Mindzir


Autonome turksprachige, neuerdings sich am türkischen Alphabet orientierende Minderheit im rumänischsprachigen Moldawien




Auf gagausisch und russisch: Stadt Komrat – Hauptstadt Gagausiens

"Gaga-was? Die autonome Region Gagausien in Moldawien ist winzig. Kaum jemand hat in meiner Heimat je etwas von den Gagausen gehört – sie existieren im Bewußtsein eines normalen Deutschen einfach nicht. Auch deshalb, weil es hier gelang, einen blutigen Kampf um die Unabhängigkeit zu verhindern. Ein friedliches Land – obwohl das Nationaltier der Wolf ist. Ich treffe auf sie im Süden der Republik Moldau, wo sie in einem administrativ abgegrenzten Gebiet eine autonome Republik für sich reserviert haben. Es handelt sich um Türken, die einst zum orthodoxen Christentum übergetreten waren."




So geht's: Von Komrat links unten nach Tschekur-Mindzir rechts oben. Dann im Feld um den Stausee herum nach Osten auf den unbezeichneten Hügel



 

Auszüge:

 

 

"Am Südausgang des Dorfes schlage ich den Weg ein, der entlang des Westufers des Sees führt. Der Weg führt an einer Datschen-Kolonie vorbei – hier baden die Dorfbewohner anscheinend gerne im Sommer. Eine Krähen-Kolonie folgt in einer Baumreihe am Ufer. Raben-Gekrächze erfüllt die Luft. Ich stelle mein Auto am Beginn des Damms ab, der das Südufer des Sees bildet; es scheint, daß der See eine künstlich angelegte, kleine Talsperre ist. Niemand ist zu dieser frühen Morgenstunde unterwegs; trotzdem breite ich im Auto vorsichtshalber meine Schilder aus, die mögliche Interessenten auf russisch abweisen sollen: 'W etoj maschinje njet nitschewo zennowo i nitschewo djen'gi' – In diesem Auto sind keine Wertsachen und kein Geld. Moldawien ist ein armes Land; ich errege mit allem, was ich tue, Aufsehen; ich habe ein fremdes Nummernschild; das 'D'-Zeichen verrät, daß ich reich sein muß; die Gelegenheit ist günstig, den Fremden zu beklauen oder zu überfallen – so mein Gedankengang. Ich kann mir hier keine Überraschungen leisten: Nicht nur bin ich in einem armen Land, auch noch entfernt von jeglicher Infrastruktur, die mir in einem solchen Fall Hilfe bieten könnte."
 

Asien? Europa?

 

Der Baum markiert den Gipfel Gagausiens.

 

 



"Ich muß noch einmal einen Schwenk nach rechts vollführen, entlang einer Feldholzreihe links und einem frisch gepflügten Acker rechts. Da kommt ein einzelstehender Baum in Sicht – es sind noch 800 Meter über frisch eingesäte Äcker zu queren; die Bauern würden das nicht so gerne sehen, wenn sie nur da wären. Ich bin aber ganz mit mir allein, hier an diesem herrlichen Gipfelmorgen in Gagausien, den mir niemand auf der Welt mehr nehmen wird! Der einzelstehende Baum markiert den richtigen Gipfel, wie es sich gehört. Sogar einen Vermessungsstein finde ich hier oben in aller Einsamkeit, genauso wie es sich gehört. Lerchen tirilieren im Himmelsblau. Kein Laut ist zu hören, nicht einmal ein fernes Hundegebell oder das Läuten von Kirchturmglocken. Nicht einmal ein Bauer, den ich fragen könnte, ob er Gagause ist, ob er überhaupt weiß, wo er gerade steht. Ob er weiß, daß er im Himmel steht!"


 

Auf Punkt 239,7: ein Vermessungszeichen

 

"Auf demselben Weg zurück fällt mir auf, wie die Lamettabänder im Weinberg knistern. Ich höre das Rauschen des Windes. Zum ersten Mal ein Laut auf meiner Wanderung. Zweieinhalb Stunden war ich für meine zwei mal vier Kilometer lange S-Schleife unterwegs. Ja, das Auto steht noch da, alles unversehrt. Das ist die größte Erleichterung auf der Tour: Nicht daß ich einen Gipfel erreicht habe, sondern daß ich noch über meine Mittel verfügen kann. Später wird sich das umkehren; in der Erinnerung wird immer der Gipfel an erster Stelle stehen.

Ich hole meinen Kocher und meine Eßwaren heraus und fange an, in aller Seelenruhe auf dem Weg, auf dem das Auto geparkt ist, abzukochen. Da kommt ein Bauer vorbei, ganz ruhig, bleibt stehen und schaut wortlos zu, was ich da treibe. Er hat so etwas noch nie gesehen. Ein Fremder! Ein Fremder mit einem ausländischen Nummernschild am Auto! Ein Fremder, der etwas tut, was 'man' nicht tut! Der auch noch von sich aus 'guten Morgen!' wünscht, wenn auch auf russisch. Was denkt sich der Bauer? Soll man die Polizei holen? Da trollt er sich und geht seiner Wege. Ich habe ihm an diesem Morgen die Sensation seines Lebens geboten, mit meiner Erbsensuppe auf staubigem Boden."



Weiter zu Kapitel 113