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Im Griff des russischen Geheimdiensts: Die Kaliningradskaja Oblast' -

Gora Dozor im Wystiter Hügelland


Ehemals deutsch - jetzt russisch, aber getrennt vom russischen Kernland



Einfahren in die Grenzzone nur mit Sondererlaubnis und Pass


Dazu zu singen: Ännchen von Tharau - http://www.youtube.com/watch?v=QnThNIvS7rI


Auszug:


"Plötzlich habe ich einen BMW hinter mir, der nicht zu überholen wagt. Ich bin gerade rechts ran gefahren, um in Ruhe den Namen des Ortsschilds “Уварово” zu notieren, da zieht er endlich an mir vorbei, bremst ab und sticht 100 Meter vor mir in eine Hauseinfahrt. Dem Auto entsteigt ein junger, sportlich wirkender Mann und kommt zielstrebig auf der Landstraße auf mich zu. Als er mich erreicht, gebietet er mit einer Geste seiner Hand, das Fenster runterzukurbeln. Ich ahne Schlimmes und folge.

'Здравствуйте' – Zdra'stwujtje – gehe ich schon mal in Vorlage, Souveränität spielend – guten Tag auf Russisch, das kann ich schon sagen. Der junge Mann hält mir seinen Dienstausweis zum Fenster herein unter die Nase. Mir gefriert das Blut in den Adern: 'Ф-С-Б' lese ich da. 'F-S-B' steht für Федералъная служба безопасности – Bundesagentur für Sicherheit, wörtlich Föderaler Dienst für Sicherheit – die Nachfolgeorganisation des sowjetischen Geheimdienstes KGB.

Sofort stelle ich auf Englisch um. Mein Gegenüber spricht zum Glück englisch ganz ordentlich. Er frägt nach meinen 'dokumenty'. Ich reiche ihm meinen Paß durchs Fenster. Er studiert ihn aufmerksam. 'Das ist nur das Visum. Haben Sie noch andere Dokumenty?' Ob ich das Schild nicht gesehen hätte? Welches Schild? Nun, das Schild, das mir die Weiterfahrt verboten hätte? Ja, natürlich habe ich das Schild gesehen. 'Und? Was stand da drauf?' 'Paß und Dokumente. Paß habe ich und Dokumente habe ich auch jede Menge. Was wollen Sie denn sehen?'

Er erklärt mir, daß ihn meine 'Dokumente' allesamt nicht interessieren – weder der Kraftfahrzeugschein, noch der Führerschein, weder die Autoversicherungspolice, noch die Importbescheinigung, weder die Migrationskarte, noch ... Habe ich sonst noch ein Dokument? Er erklärt mir weitschweifig, daß ich zum Betreten des grenznahen Gebiets eine Spezialerlaubnis bräuchte, die ich mir an verschiedenen Stellen im Kaliningrader Gebiet hätte holen können, zuletzt in Nesterow. Was ich denn hier gewollt habe? 'Ich weiß, daß hier die Grenze nah ist', gebe ich zu; 'aber mit der Grenze habe ich nichts zu tun. Nein, die Grenze interessiert mich nicht.'

Ich erkläre ihm ebenso weitschweifig mein Hobby, das in der seltsam-abstrusen Idee kulminiert, den höchsten Punkt – самая высокая точка – samaja wysokaja totschka – der Kaliningradskaja Oblast' zu besteigen. Ich zeige ihm das Kartenblatt, das ich von zu Hause mitgebracht habe, zeige ihm den Berg. Interessanterweise kennt sich mein Freund aus; er weiß, wo dieser Berg liegt, bestätigt, daß dies der höchste in der Oblast' sei. 'Waren Sie denn schon dort?' 'Ja'.

Er ist erleichtert. Er ist erleichtert! Ich biete ihm an, meine Bilder auf der Kamera zu zeigen, damit er sich von der Harmlosigkeit meiner Operation überzeugen kann, doch er will sie nicht sehen. Eine der großen Überraschungen des russischen Reichs folgt: 'Ich bin froh, daß ich es Ihnen nicht mehr verbieten muß. Sie verlassen das Gebiet jetzt bitte auf dem schnellsten Weg. Und kommen Sie bitte nicht noch einmal ohne Propusk, dann wird es nämlich ernst, dann muß ich Sie festnehmen und zu meiner vorgesetzten Dienststelle schleppen, und dort gibt es ein stundenlanges Verhör. Geld wird man Ihnen nicht wegnehmen – nein, kostet kein Штраф – aber es wird unangenehm sein.' Damit ich das nur wüßte, wenn ich einmal wiederkommen wollte. Ich versichere, ich würde nie wieder kommen – mein Ziel ist ja erreicht.

Es folgt wieder ein längerer Vortrag über die Bedeutung der Grenzzonen. Es sei gefährlich, sich den Schlagbäumen im Wald zu nähern oder diese gar zu übersteigen. Ich begreife langsam, daß im englischsprachigen Text des bewußten Schildes das Wort 'pass' nicht 'passport' bedeutet, sondern Passierschein, Propusk eben. In Rußland geht alles, was nicht normal ist, nur mit Propusk.

Aber jetzt muß ich ihm noch Name, Vorname, Adresse und Autokennzeichen auf ein Blatt Papier schreiben. 'Ich muß einen Bericht schreiben. Meine Vorgesetzten wollen das alles wissen.' Der FSB-Jüngling zeigt langsam menschliche Züge, je mehr ich mit ihm kooperiere. Bereitwillig schreibe ich ihm alles auf, biete ihm sogar an, meinen Namen in kyrillischer Schreibschrift zu schreiben. 'Nein, das ist nicht nötig.'

Und dann folgt eine Unterhaltung, wie sie vielleicht nur in Kaliningrad zwischen Russen und Deutschen stattfinden kann: 'Sehen Sie, ich komme aus einem Land, wo Grenzen nicht mehr ernst genommen werden. Mir fällt es schwer, so eingeengt zu sein. Bis ich wieder komme, sollten Sie all die einengenden Verordnungen und Gesetze abschaffen.'

'Ich bin nicht befugt, mit Ihnen den Sinn dieser Gesetze zu diskutieren.'

'Wenn Sie mal nach Deutschland kommen, darf ich Sie zu mir als mein Gast nach Hause einladen?'

Mein Kamerad vom FSB hebt mit klagender Miene den Blick zum Himmel: 'Das geht leider nicht. Ich darf Rußland nicht verlassen!'

Wir scheiden in bestem Einvernehmen. Schnell fahre ich weiter wie geplant. Nur am Wystiter See mache ich keinen Halt. Die so herbeigesehnte, angenehme Übernachtungsstelle kann ich aufgeben. Weiter geht die Fahrt, raus hier, raus aus der Grenzzone!"




Am Wystiter See

Восточную Пруссию и Кенигсберг: http://www.youtube.com/watch?v=qLn0YrJqF7E&feature=related




 

Dieses Kapitel ist erhältlich als Teil von Buch Q und

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