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 Kosovo – Ðeravica


Halbstaatliches Gebilde ohne umfassende internationale Anerkennung



Turn around — Kehren Sie um


Kampflied des Kosovo aus der Zeit des Unabhängigkeitskriegs: UÇK-Krieger in den Pashtrik-Bergen zwischen Kukës und Prizren –

http://www.youtube.com/watch?v=I4izxhDEmRo&feature=related


 

 

 

Auszüge:


"In Savine Vode stehen in einigem Abstand voneinander die Ausreisekontrollstelle Montenegros und die Einreise Kosovos. Daß ich in ein neues Land komme, ist sonst nicht ersichtlich – keine Hoheitszeichen stehen hier. Die Grenzbeamten tragen schwarze Jacken, hinten mit Aufschrift 'Police'. Sonst keine Embleme oder Schulterklappen.

'Du musse zahl Insurance', sagt der Beamte und deutet auf eine kleine Baracke am rechten Straßenrand. Darinnen finde ich einen müde wirkenden Dienstleistenden hinter einem Computer. 'Das billigste ist für 15 Tage, kostet 50 Euro. Wenn Du wolle haben 1 Monat, dann 30 Euro billiger.' Ich verstehe die Logik nicht gleich auf Anhieb. Er meint, es kostet 70 Euro, 30 weniger als nach der Arithmetik von Adam Riese zu erwarten gewesen wäre. Ich entscheide mich für die zweite Variante, da ich vorhabe, nach der Besteigung des höchsten Kosovaren und einem Dreh durch Mazedonien und Albanien noch ein zweites Mal durch das Kosovo zu fahren. Der Beamte reicht mir einen Ausdruck 'Transit Insurance Policy' herüber. Ich kann weiterfahren und bin nun angeblich versichert. Ein Gefühl der Sicherheit breitet sich nicht aus.


Vor mir der überraschende Blick in eine gesegnete Ebene, das Amselfeld – serbisch Kosovo Polje. Zwei kleine Kinder halten mir Getränkedosen in einem Eimer unter die Nase. Es ist Sonntag. Kinder, die sonntags arbeiten müssen, um sich und ihre Familien zu ernähren! Armut wartet auf mich im Kosovo."

 

Auf der Đeravicaund nicht auf eine Mine getreten !

 

"Irgendwie schaffe ich es, vor Einbruch der Dunkelheit auf einer Schlaglochstrecke noch die Schranke des italienischen KFOR-Militärpostens der Vereinten Nationen zu erreichen. Dort ist erst Mal Halt. Sie versperrt mir die Weiterfahrt in das enge Gebirgstal, das zur Ðeravica führt.  Ein Soldat kommt an mein Autofenster. Er hat mein deutsches Nummernschild schon gesehen und redet überraschenderweise deutsch, allerdings auf eine mir etwas ungewohnte Art: Er ist aus dem Trentino. Ich sage ihm, was ich vorhabe – heute noch bis ans Ende des Fahrwegs fahren, um morgen auf die Ðeravica zu steigen – und erwarte, daß er etwas dagegen hat. Doch nein, alles sei möglich. Ich frage ihn nach dem Risiko von Minen, schließlich komme ich ins Grenzgebiet zu Albanien. Nein, sagt er, Minen gäbe es 'glaube ich' keine, und wenn, dann nur eng an der Grenze entlang. Nun, die Ðeravica ist etwa einen Kilometer von der Grenze entfernt. 'Ja, das geht', sagt er. Mich überzeugt das nicht. 'Sagen Sie mal, wenn ich da so gehe im Gelände, sehe ich denn, wenn da Minen herumliegen?' 'Na ja,' antwortet er, 'wenn Sie Glück haben. Meistens sind sie vergraben.' 'Wie sehen die denn aus? Haben Sie schon mal eine gesehen?' 'Nein, ich weiß nicht. Sie müssen halt ein bissel achtgeben.'

Die Schranke geht hoch. So gebe ich halt 'ein bissel' acht."

 


 

 

"Irgendjemand muß auf dem Gipfel herumgeschossen und eine Party gefeiert haben. Ich finde Patronenhülsen und Bierdosen in lustiger Eintracht. Die Kosovo-Befreiungsarmee UÇK hat sich, bei näherem Hinsehen, vor nicht zu langer Zeit hier ein Stelldichein gegeben. Telefonieren, Siegesmeldung mit dem Handy nach Hause durchgeben, scheitert wie erwartet: Es gibt kein Funksignal hier oben. Auf dem Gipfel finde ich keine flache, von Steinen freie Stelle, auf der ich mich hinlegen könnte; auf dem Gipfel nächtigen, wie ich es gerne getan hätte, scheidet heute aus."



Wasser !


"Auch hier ist der Schäfer mit seiner Herde verschwunden. Ich bin allein mit meiner Umschau. Fast drohend steht die Pfeilspitze des Gusanit vor mir, die Wand von einem schwarzen Schatten überzogen, und bringt mich dazu, schnell das Weite zu suchen. Wenn schon nicht auf dem Gipfel, dann will ich wenigstens eine gemütlich gepolsterte, grasige Unterlage für mein Nachtlager finden.

18 Uhr 30 habe ich eine Stelle gefunden, direkt auf dem Gras des Wegs. Sie bietet eine steinfreie Unterlage mit idealer Rückenkrümmung. Die Nacht verspricht klar und daher etwas kühler als sonst zu werden, vermutlich mit ordentlichem Tau am Morgen. Diesmal geht die Sonne schon früh hinter der zackig-schwarzen Kette der Berge an der albanischen Grenze in ihr Versteck, außerdem in meinem Rücken, so fehlt jegliches Spektakel eines flammenden Sonnenuntergangs, wie ich es wohl auf dem Gipfel der Đeravica hätte erleben können.

Eine Stunde später, ich habe gerade den letzten harten Brotkanten zwischen die Zähne geschoben, ist es schon so kalt, daß ich mir Anorak und Handschuhe anziehe und in den Schlafsack krieche.

Schon in der Nacht benimmt sich das Wetter anders als erwartet. Der Wind frischt auf, wird böig und relativ warm, die Sterne am Himmel verblassen schon lange, bevor der Morgen naht. Die Erklärung sehe ich, als ich mich zum Aufwachen entschließe: Schleierwolken, ein Zeichen dafür, daß das Wetter kippen will. Noch aber geht die Sonne auf, und es erwartet mich ein sonniger Tag wie immer. Beim Frühstück komme ich mir komisch vor, wie ich da so im Schlafsack eingewickelt auf dem Weg sitze und kauend in die Gegend schaue. Zum Glück ist zu dieser Tageszeit noch kein Schäfer hier unterwegs; ich hätte ein kurioses Bild abgegeben, umgeben von meinen Stiefeln, dem Rucksack, den Plastikflaschen."

 

Ruhige Nacht unter Sternen

Ein Link dazu: http://www.hikr.org/tour/post20001.html

 

 



"Wieder werde ich von der Polizei herausgewunken. Ein portugiesischer UN-Offizier will meine Dokumente sehen, inklusive der Autoversicherungspolice. Als er das 'Dr.' vor meinem Namen sieht, läßt er das mit der Police wieder fallen; das scheint ihm plötzlich nicht mehr so wichtig. Im Hintergrund steht ein junges Negerbübchen mit einer bunten Flagge am Revers. Ich steige aus, um die Herren zu begrüßen und den Kameraden aus Afrika zu fragen, aus welchem Land er kommt. Zimbabwe. Breites Grinsen, weiße Zähne. Ein Amerikaner ist der Dritte im Bunde, frägt, was ich hier so treibe. Lustige Konversation zwischen vier Nationen und drei Kontinenten im fremden Land. Doch dann zeigt sich, daß es den Herren etwas mulmig zumute wird. Unterhaltungen dieser Art sind nicht im Dienstplan vorgesehen. Der Amerikaner muß zur Ordnung rufen, drängt unausgesprochen darauf, daß wir zu Ende kommen. Amerika hat die Führung, das merke ich gleich. Auf der Welt und im Kosovo."

In Kurzform:

Artikel in www.hikr.org: Đeravica – Gipfel zwischen Minen und Patronenhülsen

Article in www.summitpost.org: Đeravica – Summit between Landmines and Cartridge Cases



Dieses Kapitel ist erhältlich als Teil von Buch O und

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