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Zankapfel Krim – Gora Roman Kosch


Umstritten zwischen Rußland und Ukraine



Anfang April liegt noch Schnee auf den Höhen der Krim – im Tal blühen die Mandelbäume.

 

Auszüge:


"Die Funktion der Polizei in der Ukraine ist nicht, Gesetz und Ordnung aufrecht zu erhalten, sondern die willkürliche Natur der Macht im Land zu unterstreichen und daran zu erinnern, daß jederzeit und ohne Grund zugeschlagen werden und ich in einer Gefängniszelle enden kann. Routinemäßig belästigt die Polizei vorbeifahrende Reisende, 'kontrolliert' und erfindet Straftatbestände, um kleinere 'Strafen' abzukassieren. Widerstand ist zwecklos, herumargumentieren führt schon eher zum Erfolg; denn je länger sich ein Streitgespräch hinzieht, desto weniger ist die Polizei in der Lage, neue Opfer zu finden und zur Kasse zu bitten. Das Übelste – für beide Seiten – ist, nach einem 'Protokoll' zu fragen oder einfach nach einer Quittung. Dieses Ansinnen gilt als für beide Seiten schädlich: Erstens hält es die Beamten von weiterer Beute ab, zweitens wird es für mich nur unangenehmer und teurer – ich muß dann nämlich mit auf die Wache und lange Verhöre über mich ergehen lassen. Dann lieber ein paar Euro abdrücken und das Weite suchen.

Ich bin auf dem Weg hinunter auf die Krim und möchte vorankommen. Verkehrskreisel sind an sich schon schwierig, weil ich mich auf die Schilder konzentrieren muß, um zu lesen, wo meine Ausfahrt sein wird. Ich fahre also vorteilhafterweise in der rechten Spur. Ich übersehe dabei, daß die rechte Spur sofortiges Rechts-Abbiegen bedeutet. Die linke Spur hätte 'geradeaus weiter' bedeutet. Ich wollte geradeaus weiter und bin nicht rechts abgebogen; das war mein Fehler. Noch schlimmer: Ich bemerke meinen Fehler und versuche ihn zu korrigieren, überfahre dabei eine durchgezogene weiße Linie – im Anblick der Staatsmacht, die auf ein solches Fressen schon gewartet hat. Gnadenlos werde ich herausgewunken. Lange dauert es, bis der Beamte mit dem Schlagstock schlenkernd an mein Fenster heranspaziert ist. 'Dokumenty' will er sehen. Meine 'Dokumenty' sind zwar in Ordnung, aber trotzdem werde ich gebeten mitzukommen in das Polizeiauto, das am Rand der Ausfahrt aus dem Kreisel parkt. Dort übernimmt ein Kollege."


Im Anstieg zum Roman Kosch


"Ich fahre weiter aus Simferopol hinaus, probiere hier, probiere da. Nichts Überzeugendes aufzutreiben. Nach ein paar vergeblichen Anläufen biege ich einfach auf gut Glück in eine Seitenstraße ab. Sie führt zwar aus besiedeltem Gebiet bergan hinaus, weist dafür aber auch noch weniger geeignete Parkbuchten auf. Was tun? Ich will schlafen! Schließlich stelle ich mich in der Not vor das Tor einer Fabrikeinfahrt. Nachts würde schon niemand kommen und hier hinein- oder heraus wollen. Ein im Dunkeln vorbeistreichendes
Bäuerlein murmelt noch so etwas wie 'Das können Sie nicht tun, hier nicht stehen bleiben!', doch da ist es schon zu spät, ich kümmere mich einfach nicht darum und bin sofort eingeschlafen.

Es kommt, wie es kommen muß: Gegen 4 Uhr 30 rüttelt ein Arbeiter an meinem Auto und weckt mich; er schiebt einen Karren und will durch das Tor. Ich muß schnellstens den Weg freimachen und verschwinden. Noch im Schlafanzug setze ich mich ans Steuer und
flüchte zur Hauptstraße zurück. Noch finde ich dort nach ein paar Kilometer Fahrt weiter Richtung Jalta ein wenig Ruhe am Straßenrand, doch bald setzt der Morgenverkehr ein, und es ist vorbei mit Schlaf.
"

 



"Auf dem Provinzialsträßchen dringe ich weiter nach Westen vor. Etwa in Höhe des Weilers Rozowyj – Розовый – tritt die Straße in das Krim-Naturreservat – Кримський Природний Заповідник – ein. In steilen Windungen steigt die Straße nun durch den Wald
an. Ich spekuliere darauf, daß ich so dem Roman Kosch am nächsten komme, gleichzeitig auch ordentlich an Höhe gewinne. Mein Kartenstudium sieht vielversprechend aus. Doch dann stoße ich unvermittelt auf ein geschlossenes Gitter, das mir die Weiterfahrt versperrt. In einem Wachhäuschen daneben residiert eine resolute Dame. Nein, sagt sie, weiterfahren sei verboten. Es läge zu viel Schnee auf den Bergen, und überhaupt sei es verboten, ich bräuchte gar nicht auf den Juni zu spekulieren. Das sei behördlicherseits so verordnet; nur mit Spezialgenehmigung käme ich an ihr vorbei.

Alles Diskutieren und Räsonnieren hilft nichts, sie läßt mich nicht durch. Da kommt mir der Gedanke, daß ich sie leicht umgehen könnte.
"


Auf dem Kamm des Jaila-Gebirges


"Die Hundemeute schlägt an und verrät mich dem Bauern, der sofort aus seinem Häuschen kommt und meine Autonummer notiert. Ich gehe auf ihn zu und ziehe alle Register meines kümmerlichen Russisch, um ihm zu erklären, was ich vorhabe, und vor allem wie harmlos ich bin. So wie ich ihn verstehe, ist er geladen auf Manager eines Golfclubs, die manchmal hier vorbeikommen und Unruhe stiften. Sie wollen auf dem Gelände der Bauern einen Golfclub anlegen. Ich versichere ihm, daß ich damit nichts zu tun habe. Zuletzt sitzen wir gemeinsam friedlich auf einem Bänkchen zusammen. Anscheinend hat er nichts dagegen, daß ich hier im Auto übernachte und morgen den Roman Kosch besteige. Aber Aufsehen errege ich doch. Für einen braven Bergbauern, der möchte, daß alles beim Alten bleibt, bin ich zu fremd, zu exotisch."

"Gleich hinter dem Viehfütterstand kreuzen sich wieder die Wege. Ein Weg zweigt steil aufwärts nach links ab – 'meine' Richtung. Das Wegsystem beschreibt dann wieder eine weiträumige Schleife nach Westen, aber immer leicht aufwärts. Um 8 Uhr schließen sich die Schneereste im Wald zu einer geschlossenen Schneedecke, die den Weg bald zudeckt. Aber ich kann mich an die Spur eines Vorgängers halten. 8 Uhr 15 erkenne ich durch die Bäume hindurch schon die Felswand Taraktasch, zumindest vermute ich das in meiner eingeschränkten Orientierung. Laut Karte muß das um den Perewal Nikitskoj herum sein – Перевал Никитской. Ein riesiger Felsenschild, der sich von der Hochebene des Kamms abhebt. Vieltausendjährige Bearbeitung durch Wind und Feuchtigkeit haben ihn so modelliert, daß er wie eine Festungsmauer wirkt, gespickt mit Zinnen und Wachtürmen, mit einer Schneekappe obenauf.

Spechte hämmern, Buchfinken trällern. Unvermittelt stoße ich auf einen größeren Fahrweg, der quer zu meiner Anstiegsrichtung am Hang entlang führt. Das könnte wieder der auf der Karte eingezeichnete Weg sein, der in  langen Zick-Zack-Windungen den Hang erklimmt und den ich vorhin leichtfertig verlassen habe, weil mir ein schneller Direktanstieg aussichtsreicher erschien. Nein, der Weg erweist sich als falsch, denn er  fällt nach beiden Seiten hin ab. Was tun?"


Gipfel des Roman Kosch – wieder ein verbotener Berg für Alleingänger. Aber wer kontrolliert mich schon!

 

"Jetzt geht es ein wenig bergab, denn ich muß den Gurzufskoje Sedlo durchschreiten. Laut Karte ist er 1348,0 Meter hoch; ich messe an der tiefsten Stelle 1342 Meter. Dann folgt der Anstieg zu einem Vorgipfel, zuerst wieder vorbei an einer grün-weißen Schranke mit einem Schild, das mich vor Zecken warnt. Aber wenigstens treffe ich keine zweibeinigen Lebewesen hier oben! Die würden mich im Augenblick mehr stören als eine Zecke. Denn da steht auch noch: 'Внимание! Проезд и проход запрещен! Шипы!' – Achtung! Durchfahrt und Durchgang verboten! Dornen! Was soll das!? Sind vielleicht 'Spikes' gemeint, die Reifen zerstechen? Es ist gut, daß da nicht steht: 'Halt! Wir schießen ohne Vorwarnung!' Nur so etwas könnte mich noch abhalten."

 

Aus dem Laub des letzten Herbsts sprießt neues Leben.

 

"Ich gönne mir nur eine kurze Rast; zu unsicher bin ich mir, was passieren würde, wenn mich hier jemand entdeckte. Zu unsicher bin ich mir, wie und ob ich den Rückweg finde. Das ist der Nachteil des Alleinseins am Berg: Sicherheit geht vor, speziell dann, wenn keine anderen unterwegs sind. Gegen 13 Uhr 30 verlasse ich den Gipfel wieder und ziehe meines Wegs zurück zum Gurzufskoje Sedlo, wie ich gekommen war. Der Weg hat sich mittlerweile in eine schmierseifige Rutschbahn verwandelt."



Dieses Kapitel ist erhältlich als Teil von Buch R und

als CD mit pdf-Datei, 101 Seiten, davon 87 teilweise mit Bildern, Karten, Wegskizzen und/oder Höhenprofilen, in Plexiglas-Hülle,
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