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"Grenzübergreifend" in Luxemburg - Buurgplaatz oder Kneiff?


Point culminant? Eben nicht!
 

 Auszug:


„Ein Land, so klein, daß auf kaum einer Landkarte ein Berg verzeichnet ist. Ein Land also, bei dem man genau hinsehen muß. Mit Bergen, über die man besser den Mantel des Schweigens breitet.

Bergsteiger, die auf respektable Berge steigen, haben dafür gewöhnlich nur in den Sommermonaten Zeit. Denn nur in den Sommermonaten sind die Ferien lange genug, und nur in den Sommermonaten die Tage lang genug oder hohe Berge schneefrei. Alles muß respektabel und bequem sein. Wie sich  normale Menschen doch selbst beschränken! Wie gut aber auch, daß die meisten Menschen normal sind! Dann bin ich bei meinen Bergen wenigstens allein.

Normale Menschen meinen immer sich beschränken zu müssen, glauben, sie unterlägen Zwängen, denen sie nicht entfliehen können, Umständen, die sie einengen, oder sie wären einfach zu alt. Normale Menschen merken das nicht einmal, kümmern sich weniger darum, ihre eigentlichen Ziele zu verfolgen als vielmehr die, die ihnen ihre Umgebung leise und unmerklich auferlegt.

Wenn wir zum Beispiel lohnabhängig tätig sind, bindet man uns in Arbeitsordnungen ein, die unser tägliches Leben regeln. In unserem Alltagstrott sehen wir Mauern, die Mauern begrenzen eine Straße, und die Straße führt zu anderen Mauern. Das ist der Raum, den wir als Arbeiter oder Angestellte kennen und den wir zu Recht verachten. Wir versuchen, die geisttötende Arbeit dadurch schmackhafter zu machen, daß wir Verfahren ersinnen, wie man Zeit sparen kann. Durch Zeitsparen gewinnen wir angeblich Zeit, und wozu? Um sie mit Erholung verstreichen zu lassen, um sie zu verschwenden? Wenn wir´s doch täten! Dann täten wir nämlich etwas Sinnvolles und würden uns an zurückliegende Zeit mit Wohlgefallen erinnern. So jedoch, unter den Zwängen, unter denen wir stehen, füllen wir die gewonnene Zeit mit derselben gleichförmigen, geisttötenden Tätigkeit, ja mit noch mehr von dieser fürchterlichen Fronarbeit aus. Und dabei wissen wir nicht mal, ob es 'Zeit' überhaupt gibt. Zeit ist eine menschliche Erfindung, eine Schimäre.

Wir arbeiten also, um besser oder schneller als unsere Kollegen zu sein oder besser und schneller als von unseren Chefs erwartet. Wer weiß, warum wir immer dazu neigen Kompromisse zu schließen! Ob wir in einer Firma arbeiten, wir uns um Maschinen und Chefs drehen, die Maschinen und Chefs um sich selbst, und alle zusammen mit der Erde um die Sonne, oder ob alles stillstünde, beides käme auf dasselbe heraus. Warum verschwenden wir also genau die Zeit, die wir in der Firma angeblich 'sparen', mit immer weiteren und schnelleren Drehungen?

In diesem traurigen Gefängnis arbeiten wir, um uns selbst zu befriedigen. Wir konstruieren uns eine Traumwelt, eingebunden in 'Teams', setzen uns Ziele, die gar nicht unsere sind. Wir zwingen uns zu Zielen anderer, glauben daran, daß es sie gäbe, treiben uns zu Leistungen an, auf Gebieten, die diese Leistung gar nicht lohnen. Gewinnen wir dadurch etwas? Wir gewinnen höchstens, daß man uns mit weiteren Tätigkeiten betraut, uns den Kanal so vollstopft, bis wir sinnentleert und geistlos zusammenbrechen. Dann sind wir befriedigt, zum Schein, denn wir erhalten Anerkennung und Lob von unserer Umgebung.

Diese Mühle zu verlassen ist zwar technisch möglich, wird aber nur von den wenigsten tatsächlich ernsthaft erwogen. Es würde bedeuten, daß wir den Wünschen und Vorgaben eines Chefs ureigene Wünsche und Ziele entgegenstellen und daß wir, wenn beide nicht miteinander in Einklang zu bringen sind, einfach unseren und nicht seinen Vorstellungen folgen. Es würde bedeuten, daß wir erst mal eigene Vorstellungen überhaupt haben, uns über eigene Ziele klar werden, und diese schließlich formulieren.

Im Grunde geht es darum, genau das für uns selbst zu tun, was unsere Chefs immer für ihre Abteilung oder Firma predigen. Dabei werfen die Chefs die Abteilungs- oder Firmenziele ständig um und definieren sie wieder neu, weil das den Eindruck von Kreativität und Agilität macht, in Wirklichkeit aber, weil sie sich selbst ihrer Sache nicht klar sind und auch nie klar werden können. Abteilungs- oder Firmenziele sind nämlich nie identisch mit eigenen persönlichen Zielen, und die Chefs, die sie erarbeiten und formulieren, sind im Zwiespalt mit ihren persönlichen Zielen genauso befangen wie wir, auch nur armselige Kreaturen, die nicht wissen, was sie selbst und eigentlich wirklich wollen.

Wir sollten endlich unseren eigenen Zielen absoluten Vorrang einräumen. Also weg mit den Kompromissen! Ab jetzt heißt es sich konzentrieren, den Blick auf sich selbst richten, Wünsche anderer hintanstellen. Wenn wir den Zweck des eigenen Daseins erkennen – ich habe mit Absicht 'Zweck' gesagt und nicht 'Sinn'; Sinn hat das Leben sowieso nicht – wenn wir also unseren Lebenszweck erkennen, sollten wir uns nicht schämen, daß etwas dabei herauskommt, das in den Augen unserer Mitmenschen keinen oder nur einen fragwürdigen Stellenwert hat, wenn wir selbst nur damit zufrieden sind.  Denn dann haben wir selbst uns wenigstens ein ureigenes Ziel gesetzt, während die anderen weiter ihren Tabellen, Konzepten, Berichten und Präsentationen nacheifern und sich im Wust ständig neuer Vorgaben, Tabellen, Konzepten verlieren. Wir fühlen endlich, daß wir leben. Wir atmen in frischer Luft. Wir definieren uns den Himmel.

Und dann heißt es eben 'nein', wenn unsere Pläne gestört werden von drängelndem, nörgeligem Getöse, 'nein', wenn das Telefon läutet, 'nein', wenn unsere Umgebung neue Termine für irgendeinen Schwachsinn setzt, 'nein', wenn der Zwang zum Geldverdienen uns noch regiert.

Dann begrenzen wir unsere Leidenschaft nicht mehr nur auf wenige Sommermonate, in denen die Sonne uns hohe Ziele erlaubt, sondern wir definieren unsere Ziele von vornherein so, daß wir sie das ganze Jahr über erstreben können. Wir verbreitern unsere Grundlage, machen uns sicherer, rücken das Endziel in weite Ferne. Auf mich übertragen: Dann besteige ich nicht nur einen ganz hohen Berg, sondern viele. Dann wähle ich sie nach einem von mir erdachten Schema aus. Dann sammle ich sie alle, alle nacheinander. Dann strebe ich zum Beispiel auch nach Bergen, die eigentlich gar keine sind. Die nicht einmal auf einer ordentlichen Landkarte verzeichnet sind. Die  ich auch bei schlechtem Wetter und im Winter besteigen kann. Die auf ihre Weise 'hoch' und mir angemessen sind. Wenn ich sie nur finde.

Luxemburg zum Beispiel im März. Auch im März kann schönes Wetter in Luxemburg sein, und die Berge dort kann man allemal besteigen. Luxemburg ist für normale Menschen ganzjährig zugänglich. Und keiner kommt.

Und Geld? Wie lächerlich, daß die normalen Menschen, die, die ich gerade versuche zu beschreiben, auch in dieser Frage so vollkommen daneben liegen! Daß normale Menschen ihr Leben dem Gelderwerb unterordnen! Wo doch gerade in Mitteleuropa selbsterarbeitetes Geld als Mittel zum Lebensunterhalt zum Glück gar keine Rolle spielt. Ha! Werden Sie einwenden, habe ich richtig gehört? Geld spielt keine Rolle? Jawohl, sage ich, Geld ist zwar nötig, aber keineswegs in erster Linie.

Wir sind alle, alle, auch die, die nicht ganz so viel verdienen, in der Lage, unser Leben so einzurichten, daß wir einen Teil unseres Verdiensts für unsere eigenen Ziele einsetzen können. Wir müssen nur unser Arbeitsleben, dieses menschenunwürdige Fristen in Büros und Werkshallen, so arrangieren, daß es nicht mehr als nötig den Teil unseres selbstbestimmten Lebens auffrißt. Dann müssen wir rechtzeitig einen Schlußstrich ziehen. Dann müssen wir andere Maßstäbe setzen, aus dem selbstgewählten Käfig ausbrechen. Streben nach Wohlstand, Macht und Anerkennung ersetzen durch Streben nach Richtung, Ziel und Unabhängigkeit. Nachahmen ersetzen durch Eigenleistung. Abhängigkeit ersetzen durch Selbstständigkeit. Kästchendenken ersetzen durch Träume. Kein Mensch, keine Institution, kein Arbeitsamt hindert uns daran, wir selbst zu sein, wenn wir nur wollen. Wenn wir nur wollen würden! Wollen muß man, allerdings. Nur wollen, nichts sonst. Nur wollen. Wollen wir?

Ich will. So habe ich eines Tages meinem Chef gesagt, daß ich jetzt gehe. Einfach so. Daß das Leben für mich noch andere Dinge bereithält.

Seine Antwort war: 'Hm.' Nur 'Hm.' Nichts sonst. Ab da weiß ich, daß ich meinem Chef etwas zum Nachdenken gab.

Und jetzt, jetzt mit dieser neuen Lebensfreude ausgestattet, voller Tatendrang, nehme ich Reißaus. Und fahre nach Luxemburg.“




  
Der Kneiff ist tatsächlich höher: Nach neuesten Vermessungsergebnissen um 1 Meter und 1 Zentimeter
. Luxemburg muß umdenken.


Dort, wo die einzelnen Bäume auf dem Acker stehen !
 

Aber das Großherzogtum hält noch andere Kuriositäten bereit: ein Kondominium. Das Bett der Grenzflüsse Mosel, Sauer und Our gehört zum Teil BEIDEN Staaten, Deutschland und Luxemburg.

 


Bevor Sie hinfahren: Erst Lëtzeburguesch lernen! http://www.youtube.com/watch?v=kgQNJzMvQXY&feature=related


 


Dieses Kapitel ist erhältlich als Teil von Buch F und

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