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Moldawien – Dealul Balanesti


 




Jetzt findet auch der Letzte hin: Balanesti auf kyrillisch, und der Dealul – das "Hügelchen" – steht gleich neben dem Dorf.

Auszüge:


"Die Straße folgt nun etwa zwei Kilometer dem rechten Ufer des Dnjestr aufwärts – Nordwesten, schwenkt dann nach links – Südwesten und Westen, und endet bald an einem 'internationalen Punkt', der Umschreibung dafür, daß man für das Phänomen, das sich hier jetzt ausbreitet, noch keinen Namen gefunden hat. Ein Schild kündigt an: Mizhnarodnij punkt propusku 'MAJAKI'  – 100 m, also: gemischtvölkischer Punkt wegen einer Sondergenehmigung, benannt nach dem letzten Dorf, Majaki.

100 Meter hinter dem Schild entfaltet sich eine regelrechte Grenzkontrolle. Man frägt mich aus, wohin ich will. Weiter in die Ukraine natürlich, nicht nach Moldawien! Ich habe inzwischen gelernt, daß ich bei Grenzübetritten in Osteuropa nicht unbedingt wahrheitsgemäß antworten muß; effizienter ist es, immer nur die halbe Wahrheit zu sagen. Ich erhalte ein Zettelchen, den Própusk, mit rotem Stempel auf dünnem Zigarettenpapier. Eigentlich wäre das schon genug der Belästigung gewesen, wenn sich da nicht noch ein älterer Herr mit Schnauzbart eingemischt hätte, ein gemütlicher Typ. Er kann gerade so viel deutsch wie ich russisch. Er will die 'Grüne Karte' sehen, den Paß, und – verdammt nochmal – die 'Kranken'. Klar, er meint eine Krankenversicherungspolice."


"Plötzlich schießt eine aufgeregt blinkende Kavalkade von drei schwarzen Limousinen mir entgegen, alle Fahrer vor mir retten sich panisch auf die rechte Standspur, und das aus gutem Grund, denn die letzte der drei Limousinen fährt teilweise auf der Gegenspur, fegt alle weg, die sich ihr in den Weg stellen. Zum Glück habe ich rechtzeitig begriffen, was zu tun war, und habe auch wie die anderen nach rechts Zuflucht genommen. –– Beim nächsten Halt kommt ein Uniformierter auf mich zu und spricht mich entschuldigend auf deutsch an, fragt, ob er mein Auto kaufen kann. Kleine Anekdoten zum Risiko und Leben auf fremden Straßen."



"In dem dünn beschilderten Kischinau entscheide ich mich intuitiv für die Ausfahrt nach Leuscheni, ohne zu wissen, wo das liegt, ich kann es auf der Landkarte nicht finden. Ich komme zu einer Gabelung der Landstraße, auf der einer dieser untätigen Polizisten herumsteht; ich denke, den frage ich. Er hält meine Karte rechts und links herum, kann mir aber Leuscheni auch nicht zeigen, weiß nur, daß es auf der rechten Gabel 85 Kilometer nach Leuscheni sind, so wie angegeben. Die Gabel links würde nach Ialoveni gehen; das liegt im Südwesten von Kischinau, insofern ist es richtig, die Gabel nach rechts zu nehmen, denn ich weiß, ich muß in den Nordwesten, von Kischinau aus gesehen. Warum erzähle ich das alles? Um Ihnen einen Begriff von den täglichen Mühseligkeiten zu vermitteln, denen der Bergsteiger als begeisterter Anhänger von Europa ausgesetzt ist."

Anstieg zum Dealul Balanesti

"In der Nähe zweigen von der Dorfstraße kleine Feldwege steil nach oben – Nordosten – ab. Zwischen zwei Bauernhäusern, schnatternden Gänsen und Kikeriki-rufenden Hähnen lasse ich mein Auto stehen und ziehe die Turnschuhe an. Der zum Glück trockene Erdweg – es hat lange nicht geregnet – steigt erst steil an, führt dann an einem Brunnen vorbei. Bei der nächsten Verzweigung nehme ich den links – östlich – bergan führenden Zweig. Nach dem letzten Haus links und einem Schöpfbrunnen rechts entwickelt sich der Weg zu einer Direttissima-Piste steil nach oben. Lehm, trockenes Schilfrohr, das sind die Zutaten unter meinen Füßen. Ich komme richtig außer Atem vor Aufregung."



Hubschrauberlandeplatz und Funkantenne zieren den Gipfel.


"Zehn Minuten später erreicht der Weg die Kante der Hochfläche und flacht ab. Nach 230 Schritt – ich habe sie extra abgezählt – steht links ein Wäldchen, rechts erstreckt sich offenes Feld bis zum Horizont. Der Weg kurvt plötzllich nach links und gibt den Blick auf zwei Fernseh- oder Funkmasten auf dem Gipfel frei. Noch sind es 650 Schritt bis dorthin. Rechtwinklig vom Weg zweigt ein kurzer Pfad ab und führt zu der ersten der beiden Antennen. 30 Meter hinter der ersten Antenne finde ich im Gelände ein Karrée von Erdwällen herausgearbeitet, das ein Quadrat mit drei kreideweißen Markierungspunkten umschließt, offenbar ein Hubschrauber-Landeplatz, für Extraterrestrische etwa? Von der Antenne her plärrt Radiomusik; ich werde vom moldawischen Radioprogramm beschallt."



https://www.youtube.com/watch?v=Z05i0hzxOw8
 
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