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Ultra Mare Usque Nusquam – Rockall


Isolierter Felsen im Nordatlantik, beansprucht von Großbritannien, Dänemark, Irland und Island. Völkerrechtlich Niemandsland



16. Juni 2005, morgens 8 Uhr 30
 


Into a mysterious and surreal world where the BBC4 Shipping Forecast revives the spirit of ROCKALL:

http://www.youtube.com/watch?v=NjNUwBf7evQ&NR=1



Auszüge:


"Mehr als mit der Hand die glitschige Felswand berühren und einen Zettel mit der Aufschrift 'Property of Ben Fogle' dranzukleben blieb nicht für Ben; schließlich landete er sogar im kalten Wasser – die Dünung immer auf und ab – und bekam keinen Griff mehr zu fassen. Er mußte an Bord des Dinghys gezogen werden, bevor er untergegangen und ertrunken wäre.

Ben Fogle war endgültig gescheitert; 'I might have touched Rockall, but it was distinctly untouched by me', hatte er abschließend traurig festgestellt. Charlie Connelly hatte endgültig aufgegeben, als er von dem Fehlschlag hörte.

Und da wollte ich es versuchen? Auf so etwas wollte ich mich einlassen??!! War ich noch ganz bei Trost?"





Trevor mit der Tin Whistle


"Wann erscheint Rockall auf den Karten? Auf Martin Behaims berühmtem Globus von 1492 ist eine namenlose Insel nahe Rockalls tatsächlicher Position verzeichnet, aber das kann Zufall sein; viele Kartographen der Zeit sprenkelten Inseln nach Belieben über den ganzen Atlantik. Rockalls erste gesicherte Erwähnung geschah auf einer portugiesischen Karte von 1550, die in der französischen Nationalbibliothek aufbewahrt wird, obwohl, was auch immer der Kartograph da markierte, er schien gerade etwas tief ins Glas geschaut und mit dem Ärmel über die noch nicht trockene Tinte gewischt zu haben: Das Wort verschmierte. Es schaut auf dem Original wie 'Rochol' aus, und die Lage ist ziemlich genau die, wo Rockall tatsächlich zu finden ist. Ein Amsterdamer Atlas von Willem Janson 1606 markiert 'Rocol' in einer einigermaßen genauen Position, nur 87 Meilen von seiner akkuraten Stele entfernt. Weitere Karten folgen, in denen der Name von Rochol über Rocol, Rokol und Rookol variiert. Ende des 17. Jahrhunderts hatte Rockall seinen Platz auf allen Karten des Nordatlantik gefunden."



"… a Company of French Men and Spaniards who lost their Ship at Rokol in the Year 1686, and came in, in a Pinnace to St. Kilda, where they were plentifully supplied with Barley-Bread, Butter, Cheese, Solan Geese, Eggs, etc. Both Seamen and Inhabitants were Barbarians one to another, the Inhabitants speaking only the Irish Tongue, to which the French and Spaniards were altogether Strangers. Upon their Landing they pointed to the West naming Rokol to the Inhabitants, and after that, they pointed downward with their Finger, signifying the sinking and perishing of their Vessel; they shewed them Rokol in the Sea Map, far West off St. Kilda. This, and much more, the Masters of these Ships told to a Priest in the next island who understood French.'

Diese Geschichte finden wir in der ersten schriftlichen Erwähnung der einsamen Insel 'Rokol', in Martin Martins 'A Description of the Western isles of Scotland', publiziert zwischen 1698 und 1716, wo dieser eine Reise nach Saint Kilda schildert. Die Einheimischen dort hätten Rockall Rockabarra genannt, gälisch Rocabarraigh oder Roca Barraidh. Derselbe Name taucht in der gälischen Mythologie auf als ein Felsen, der dreimal erscheint, zuletzt am Ende der Welt weit draußen im Westen am Horizont zur Unterwelt: 'Nuair a thig Rocabarra ris, is dual gun tèid an Saoghal a sgrios' – Wenn Rocabarra zurückkehrt, wird die Welt untergehen. Das 'Roca' könnte vom schottisch-gälischen 'rocail' kommen, das für 'krachend' oder 'brüllend' steht, aber auch 'rasend' oder 'glänzend'; der andere Namensteil 'barraigh' gibt Hinweise auf einen möglichen altnordischen Ursprung – 'barraigh' ist ein Element, das vielen schottischen Toponymen gemeinsam ist. Eher kommt aber das gälische 'barr' In Frage, das 'Spitze', 'oberst', so etwas wie 'Sahnehäubchen' bedeutet. Roca Barraidh steht also für 'brüllende Spitze".

"Halb unlustig schaue ich ins Internet. Es ist so hoffnungslos, daß ich hier anfange, selber eine Expedition organisieren zu wollen! Unglaublich hoffnungslos. Es ist so unwahrscheinlich, hier jemanden zu finden, dem ich mich anschließen könnte! Und dazu noch jemanden, der etwas von der Sache versteht! Von den Risiken, den Unwägbarkeiten, dem schmalen Wetterfenster, den seltenen Transportmöglichkeiten! Wie will ich das alles von Deutschland aus in die Wege leiten, wo die Akteure hoch oben im Norden Schottlands sitzen! Unglaublich unwahrscheinlich, daß mir das je gelingen wird."



Durch die Ostwand hoch zur Hall's Ledge


"Onwards, outwards and thereafter upwards a little – das war die Marschanweisung für Rockall. Ich war voll dabei. War mir eigentlich bewußt, welches Glück ich jetzt schon hatte? Nicht nur hatte ich in genau dem richtigen Moment eine Gruppe gefunden, die nach Rockall fahren wollte; ich wurde auch in sie problemlos aufgenommen, und sie schien aus  erfahrenen Teilnehmern zu bestehen. Die erbetenen 750 Pfund Reisegeld schienen mehr als angemessen zu sein. Beste Voraussetzungen also!"

"Das Anlegen der Sitz- und Brustgurte, das Befestigen der Steighilfen mit Karabinern und das Bedienen des Geräts waren schnell erklärt, und dann gings an die Praxis. Seil in den Croll und den Ascender hängen, Beine in die Bandschlinge, entlasten, Ascender hochschieben, Beine durchdrücken, damit rutscht der Croll nach oben, wieder belasten: und beide Steighilfen geben nicht nach. Fünfmal arbeitete ich mich so am Seil Stück für Stück vom Boden bis unter die Balkondecke, fünfmal wechselte ich am Seil hängend von Auf- zu Abstieg, ein heikles Zwischenstück, fünfmal seilte ich an demselben Seil ab. Das Seil war ein semi-statisches – es dehnte sich nur geringfügig unter Belastung; geeignet also für Operationen der Art, wie wir sie vorhatten. Nach fünf Übungseinheiten war kein weiterer Lerneffekt vorhanden, und wir brachen ab. Ich würde bis zu meiner Abfahrt jeden Tag üben müssen."

"Auch ging ich einmal ins Kelkheimer Freibad, um meinen Neoprenanzug zusammen mit allem Klettergerät einzuweihen und zu sehen, wie es sich anfühlt, wenn ich bei Rockall unfreiwillig ins Wasser fallen und schwimmen müßte. Dazu brauchte ich eine spezielle Erlaubnis des Schwimmeisters. „Ist das auch sauber?“, wollte er wissen, als ich ihm beschrieb, wie ich in meiner Montur aussehen würde. „Die Schwimmbadgäste dürfen sich nicht belästigt fühlen.“ „Na ja, dann kommen Sie mal, aber am besten ganz früh morgens, da sind nocht nicht so viele da.“ So machte ich mit ihm einen Termin um 8 Uhr morgens aus und sprang zum Erstaunen einiger weniger alter Damen ins Wasser des Freibads. Das war überraschend komisch. Statt mich beschwert zu fühlen, gab die Luft im Neopren so viel Auftrieb, daß ich mit den Beinen fast aus dem Wasser ragte. Noch nie bin ich so mühselig Brust geschwommen. Doch auf dem Rücken ging es dafür umso einfacher. Immer die Bandschlinge hinter mir durchs Wasser ziehend. „Huch! Was machen Sie denn da?“ Ich mußte es den Damen erklären. Alles von ganz vorne: Felsen im Atlantik, gehört niemandem, warum will ich da hin? Warum will ich dort hoch? „Interessant! Da wünschen wir Ihnen aber viel Erfolg!“ Den wünschte ich mir auch."




Wird er die Kante schaffen?




Total erschöpft, aber: Geschafft!

"Mit allen nur denkbaren Mitteln mußte also ein Mann, der klettertechnisch bewandert war, an Land gebracht werden. Dazu würden wir Klammereisen, Krallen, Seilwinden und Wurfmaschinen benutzen. Wenn alles nicht helfen würde, müßte er mit einer Kanone an Land geschossen werden! Und noch etwas Wichtiges: Wie lange auch die Wartezeit auf flache See, daniederliegende Dünung sein mochte, wir würden darauf vorbereitet sein, so lange wie nötig auf dem Schiff vor dem Felsen auszuharren, um die Angelegenheit endlich zu einem Erfolg zu führen."

"Wenn ich auf meine Statistik blickte, hatten bis heute Hall und seine namenlosen Begleiter, Peel und seine drei Spießgesellen, McLean sowie Peter, Meike und Al – jawohl: Al Baker, der in unserem team den Kletterspezialisten abgab – Eric, Thomas und noch ein paar andere von Greenpeace auf der Spitze von Rockall gesessen – zusammen 50? Oder mehr? Und das in 194 Jahren Besteigungsgeschichte! Nur zum Vergleich: Der Mount Everest war 1953 erstbestiegen worden, und bisher haben über 1200 seinen Gipfel bezwungen! Worauf würde ich mich hier einlassen??"

Montag, 13. Juni: Der neueste Weather Forecast hat nun auch die Skipper überzeugt. Sie wollen am Nachmittag zwischen 15 und 17 Uhr starten. Angeblich. Unglaube und Unmut kommen auf. Was sollen wir tun, um die Skipper zum „Funktionieren“ zu bringen?

Wir waren sehr verschiedene Charaktere und trotzdem seltsam vereint in einem gemeinsamen Ziel. Ich hatte Schwierigkeiten, den aufgeregten Unterhaltungen zu folgen, und hielt mich daher zurück. Dave sprach einen schier unverständlichen Schotten-Dialekt, dazu unzusammenhängend in seiner Argumentation; oder scheint mir das nur so, weil ich nur wenig verstehe? James von den Outer Hebrides, oder vielmehr auf gälisch Seamus, 38 Jahre alt, sprach lieber in seiner Muttersprache Gälisch, wenn er nur irgendwie konnte. Das machte sein Englisch für mich leicht verständlich; auch in seiner eher unaufgeregten Art gefiel er mir sehr gut. Angus, der zweite Skipper, war umgänglich, hatte aber nichts zu melden; Ian Trumpess gab den Ton an. Moff war lieb und nett und hütete sein Medikamentenköfferchen. Trevor hielt lieber den Mund und stand beiseite; holte gelegentlich seine Tin Whistle, spielte einen Jig und reagierte sich auf keltische Weise ab. Oder kochte emsig und gut organisiert in der Küche. Lester wiederum, 44 Jahre alt, mit einer Brasilianerin in Avila in Kastilien-León wohnend und für eine Internet-Medienfirma arbeitend – was arbeitet man da eigentlich? – und mit Bierbauch und dickem Kopf, schwätzte unerträglich und unablässig drauflos: 'I will sue this damn' fuck'n bastard if he doesn't go by today' – er meinte Ian – 'will tear his fucking licence into pieces – know what this bloke said? –  this miserable bugger – wanker, know what I mean? I have done this all for charity, and now he says weather is not allright. Come guys, we are adult persons, masters of our fucking fate. He should know we are not li'll children that he can fuckin' play with. My missis pregnant at home and I waste my fuckin’ time here! Never will I go on this bloody trip again, it has to happen now or never, missis wants me to stay home with my daughter”. Und so weiter. Den ganzen Tag. Jeder zweite Satz mindestens mit einem 'fuckin’, 'bastard' oder 'bloody'. 'Four years planning, and now I'm bloody here to do it!'

Die einzig ernstzunehmenden Könner waren Al, der Kletterspezialist, und John Cunningham, unser Hoffotograf, 40 Jahre alt – ersterer ein gerade noch verständliches Englisch redend, letzterer ein fein-kultiviertes Schottisch. Beide hatten in der Frage, ob und wann die 'Invincible' endlich in See stechen sollte, wenig beizutragen. Der einzige, der sich qualifiziert mit Ian auseinandersetzen konnte, war James, denn der hatte sein Laptop aufgebaut und zog unablässig neue Wetterkarten online herein.

Ian grinst breit und undurchschaubar, als wir ihm die Wetterkarten zeigen. Die Vorhersage ist ihm noch nicht gut genug. Werden wir trotzdem fahren? Ian grinst. Vielleicht. Mal sehen.

Noch ist es nicht 10 Uhr, da kündigt Al schon ein „Meeting“ für 16 Uhr unter Deck in der Messe an. Die Zeit verstreicht mit Nichtstun. Einer hat die 'Sun' gekauft – aber britische Boulevardblättchen sind unlesbar. Die Zeit schleppt sich weiter mit allgemeiner Konversation hin. Lester entwirft schon Überschriften der Siegesnachricht für seine Satire-Website Therockalltimes.co.uk, als Antwort auf den gescheiterten Aspiranten Charlie Connelly, der 'Prince of Rockall' werden wollte: 'Who are the kings of Rockall? WE ARE!' Lester schaut beifallheischend aus seinen Schweinsäuglein in die Runde. 'And all done for charity! Once we have done this fuckin’ rock we gonna sell more T-shirts and stamps. 2000 pounds we have already gathered, all for this fuckin’ charity; and this lad' – gemeint war Ian – 'ain’t let us go! Goddamn bastard Trumpy!'




Die "Invincible" wartet – die See bleibt ruhig.


"7 Uhr 30 kommt Angus gelaufen: 'By the way, it’s Rockall ho!' Wir stürzen alle hinaus, aber nur mit dem Fernglas ist ein winziger schwarzer Punkt am Horizont zu erkennen, sonst nur Wasserwüste. Wie ein Pickel sitzt der Punkt auf dem Wasser und wächst. Eine Viertelstunde später ist er schon mit bloßem Auge zu erkennen, geradewegs Bug voraus. Um 8 Uhr nimmt er schon Form an. 8 Uhr 30 sehen wir die Brandung an der überhängenden Nord- und an der geschwungen auslaufenden Südflanke um den Felsen lecken. Es wird ernst. Hektisch zerlegen  Dave und James den Antennenmasten und fummeln in ihren Plastikkoffern herum, um das Nötige zusammenzustellen, das sie zum Funken auf dem Gipfel brauchen werden. Der Tag des Herrn."

"Dann schießt Al im Schlauchboot herüber und nimmt mich mit. Dreißig Meter vor der glitschigen, seetangbehangenen Wand machen wir Halt. Al studiert das Auf und Ab der Dünung, muß ein Gefühl für den Rhythmus bekommen, muß sich den Takt einprägen. Im richtigen Moment schießt er los und legt mit dem Schlauchboot an der Wand an, gerade als sich das Wasser wieder hebt. Ich greife das Seil, hastig, und gerade als die Welle ihr Maximum erreicht, klicke ich es in den zentralen Croll an meinem Gurt ein.

Sofort fühle ich mich wie hochgehoben, schwebe frei, klatsche mit dem Körper seitlich an die raue Granitwand, während das Boot unter mir wegtaucht. Hektisch zapple ich mit den Beinen, um die Bandschleife zu erreichen, in die ich einsteigen muß, um mein Gewicht zu entlasten. Zu spät! Inzwischen hat die Dünung wieder das Boot gehoben und stößt mich unsanft von unten an. In dem algigen Schleim gelingt es mir endlich, das rechte Bein in die Steigbügel-Schlinge zu bekommen, das Bein mit Gewalt durchzudrücken und den Ascender über mir einzuhängen. Ein paar eintrainierte Züge nach oben, und endlich ist das störende Schlauchboot aus dem Wege. Jetzt heißt es, den am Sicherungsseil baumelnden Karabiner auch noch in den Gurt einzuhängen; nicht schwer. Dann ist alles nur noch Routine.

Zug um Zug ziehe ich mich am eigenen Seil empor und komme langsam zur Ruhe. Unter mir schwappt tiefblau das Meer an den senkrechten Felsen. Über mir noch eine lange Strecke, bis das Seil hinter der Kante verschwindet. Ich bin ganz allein und auf mich gestellt.
"



Auf Hall's Ledge


"Nach und nach klammern sich auch Lester, Moff und Trevor herauf, keuchen, schwitzen. Es gibt überglückliche Umarmungen auf Hall’s Ledge. Seit 1997 hat der schmale Absatz, dessen verwertbare Fläche ich auf höchstens zwei mal zehn Meter schätze, so etwas nicht erlebt. Zeit zum Rasten und Schauen. Blauer Himmel, blaues Meer, kein Lüftchen regt sich. Wer hätte das gedacht!

Es ist ein absoluter Glückszufall. Man sitzt nicht alle Tage auf Rockall! Für mich ist es zusätzliches Glück in mehrfacher Hinsicht: Daß ich überhaupt in der Gruppe mitfahren durfte, daß die Expedition überhaupt stattfand, mit anderen Worten: daß sie 2003 danebengegangen war, daß ich vorher ausreichend und kompetent trainieren konnte. Und dazu mischt sich Stolz: Ich bin der erste Deutsche seit Greenpeace 1997 auf dem Felsen saß; ich bin der Zweitälteste jemals auf Rockall!"





James Cameron errichtet die Funkantenne.




Schwieriger Akt für ein Gruppenbild


"Jetzt sind die Funker am Wirken. Alle helfen mit, den langen, in Teile zerlegten  Antennenmasten zu einem fünf Meter langen Rohr zusammenzustecken. Es handelt sich um eine 'Ground plane'-Antenne, die zu einem senkrecht stehenden Stab mit seitwärts abstehendem Radial für das 20-Meter-Band aufgerichtet wird. Oben flattert die schottische Flagge, darunter die von Kastilien-León, eine Ehrerbietung an unseren neuen König, Lester aus Avila. Und seitlich schräg führen Stabilisationsdrähte vom Antennenmast zu Haken, die weiter unten in den Felsen gebohrt sind. Zusammen mit Akkus, Generator  und Funkgerät Yaesu FT897, Kabel ein ordentlicher Haufen Krimskrams, alles von der Firma YAESU, deren Firmenlogo an der Wand über der Hall’s Ledge angebracht wird. Bilder müssen auch davon gemacht werden, das verlangt der Sponsor so.

Als alles steht, fangen die beiden Funker mit ihrer Arbeit an. Innerhalb weniger Stunden gelingen den beiden 262 QSOs, wie in der Fachsprache die geglückten Verbindungen heißen, und dies in mehrere Kontinente, über Großbritannien und das restliche Europa, selbst Frankfurt, bis nach Kanada und Sibirien, 62 mehr als die Qualifikationsrichtlinien der IOTA vorgeben, um Anerkennung der ganzen Operation zu erreichen. Was bedeutet IOTA? Ich weiß es nicht und muß mich bei Dave erkundigen: „Islands on the Air“ ist die Antwort, ein sportlich ausgetragener Wettbewerb zwischen Amateurfunker, die letzten Inseln und Inselchen dieser Welt für den Amateurfunk zu besetzen. Rockall ist die letzte Insel Europas, die im Rahmen von IOTA noch nicht 'aktiviert' war."





The King of Rockall: auf dem höchsten Punkt


"Ich wähle die Aufstiegsroute vom jenseitigen Ende der Hall’s Ledge aus, eine schräge Stufe zu dem scharfkantigen  Gipfelgrat hoch, den ich im Schneidersitz rutschend bis zu einem etwa 1 Quadratmeter großen spitzwinklig-dreieckigen, künstlich eingeebneten Plateau bewältige, an dessen stumpfem Ende ein runder, betonierter Aufsatz montiert ist, so ähnlich wie das Rund eines Kanalschachtdeckels. Die höchste Stelle! Der Sieg ist total, auch wenn es nur 19,2 Meter sind, die mich vom Meeresspiegel trennen."





Gedenkplakette auf Hall's Ledge für das Leuchtsignal: Site of United Kingdom Light Beacon June 1971


"Zeit ist es jetzt, das schmale Plateau des Hall's Ledge näher in Augenschein zu nehmen. Vorsicht! Nicht stolpern! Nicht nur ist der Boden mit grauen Vogelausscheidungen verkleistert – zum Glück nicht schmierig – sondern neigt er sich auch nach außen, um über die Südwestflanke abzustürzen. Dazu stehen überall Kisten und Koffer im Weg – die Gerätschaften unserer Funker. Drei Plaketten entdecke ich am Felsen, zwei davon halbwegs lesbar. Ein gewisser Captain Evans, Master of … es folgt der verstümmelte Name des Schiffes … led the expedition ...  eine Jahreszahl? Irgendwas mit '84'? ... geological survey ... der Rest ist unlesbar; die andere die Erinnerung an die Montage des Leuchtsignals Juni 1971."




Die Polymonarchistische Volksrepublik Rockall sendet Funksignale in alle Welt.





Zurück in der Sicherheit


"Gegen 17 Uhr stellen als Letzte die Radio-Boys ihre Funkerei ein und bauen den Antennenmast ab. Die ganzen Gerätschaften werden wieder am Seil herabgelassen, im Schlauchboot verstaut und von Moff und Angus zurücktransportiert. Nacheinander treffen alle an der 'Invincible' ein, springen erleichtert und glücklich in Sicherheit. Alle zwar mit Schrammen, aber ohne Unfall! Der 16. Juni wird als ausgesprochener Glückstag in die Geschichte Rockalls und meiner Bergsteigerei eingehen. Je größer der Triumph, desto mehr wird mir bewußt, wie klein und ohnmächtig wir doch waren. Nicht nur 'happy' sind wir alle, wir waren vor allem auch 'lucky'. Sheer luck. Zuletzt holt Al die Seile ein und kehrt zurück – es ist 17 Uhr 40. Die ganze Operation hat acht Stunden und 25 Minuten gedauert."




Farewell Rockall


"Ian Trumpess hat den Motor wieder auf volle Touren gedreht, und während wir auf dem Vorpiek fröhlich weiter blödeln, Flaschen mit vierzehnprozentigem Honig- 'Mead' von Orkney kreisen lassen und unseren Erfolg feiern, wird Rockall in unserem Rücken immer kleiner, schrumpft zu einem winzigen Fleck und verschwindet schließlich hinter dem Horizont. Unser Kurs ist wieder Osten. Wehmütig greift Trevor zu seiner in Whistle. In unseren Herzen nur Erinnerung."




Und jetzt nur noch feiern!



"Sofort erwachen die Lebensgeister unseres Mediengecks Lester wieder zu alter Frische. Er entwirft lautstark Texte für die Siegesmeldung auf seiner Fun- und Satire-Website. Ganz begeistert ist er von der Schlagzeile 'Who are the kings of Rockall? WE ARE!' Unterzeile: 'North Atlantic triumph for Rockall Ho! 2005 assault team'  Immer wieder müssen wir uns anhören, wie „bloddy fuckin’ good“ das ist."





Al Baker sortiert die Sturmausrüstung – Dank an Greenpeace für das Knowhow!


 

Externe Artikel -- External articles

Auf Deutsch bei:

http://www.dav-community.de/invisionboard/index.php?showtopic=33448

http://www.bergtour.ch/tourenfuehrer/gipfel/id/894

http://www.hikr.org/tour/post10390.html

http://community.alpin.de/touren/966/


In English at:

http://www.summitpost.org/view_object.php?object_id=475182&confirm_post=7

http://www.summitpost.org/view_object.php?object_id=475190&confirm_post=7

http://www.theregister.co.uk/2005/06/22/rockall_triumph/

http://www.theregister.co.uk/2005/07/08/rockall_first_day_covers/

http://www.justgiving.com/rockall-ho/

http://www.discworldstampfan.info/FDC/04-06/Rockall.html


 

 

 

 


Später Sommerabend bei Rockall


 

 

The Wolfe Tones: Rock on Rockall – http://www.youtube.com/watch?v=1maOiysZe-4


 

 

 Tom McClean's Landung auf Rockall – nur um einen Eindruck zu geben, wie das zugeht:

http://video.google.com/videoplay?docid=-2970276892066935736#


Der "Beweis": Ersttagsbrief der einzigen Briefmarkenausgabe der Polymonarchistischen Volksrepublik Rockall

 

"Natürlich braucht ein neuer Staat Briefmarken. Dazu muß ich noch auf dem Schiff über 50 Autogramme auf Umschlägen geben, die an  verschiedene Medien gehen sollen. Die Briefmarken sind schon gedruckt und aufgeklebt. Mark Valentine hat die eine entworfen, in Pfund-Sterling-Währung, die andere, in Dollar, stammt von Bernard Pearson. Der eine wählte einfach nur ein Porträt der Insel, überschrieben lapidar mit 'Rockall Post', der andere lehnte sich an Terry Pratchetts Fantasie-Novelle 'Jingo' an, mit deren Scheibenwelt-Insel 'Leshp'. 'Gone but not forgotten' steht als Umschrift auf dem Schild, und unten auf der Leiste 'Ankh-Morpork'; das war die größte und wichtigste Stadt in der Scheibenwelt."



Dieses Kapitel ist erhältlich als Teil von Buch N und

als CD mit pdf-Datei, 387 Seiten, davon 269 teilweise mit Bildern, Karten, Wegskizzen und/oder Höhenprofilen, in ansprechender Plexiglas-Hülle, etikettiert, mit Titelbild und Titelbeschriftung,
zum Preis von € 19,90.    Rückfragen oder Bestellung bitte hier

Der Preis enthält MwSt., zuzüglich Porto bzw. Nachnahmegebühr. Die CD wird als Nachnahme oder gegen Vorauskasse als Warensendung geliefert. Selbstabholung nach Anmeldung erspart Portokosten! Die ausführlichen Liefer- und Zahlungsbedingungen finden Sie hier.

 

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