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Ein verbotener Berg in der slowakischen Tatra – Gerlsdorfer Spitze

 

Vermessungspunkt, Kreuz und Eisenklammer - die Requisiten des höchsten slowakischen Gipfels


Eine Besteigung der Gerlsdorfer Spitze: http://www.youtube.com/watch?v=BAkvTqPP2n0


 Auszüge:


„Bergsteiger, die sonst alle Bindung zu Religion verloren haben, finden in den Bergen die Befriedigung von Sehnsüchten, die anderen aus dem Gefüge ihres religiösen Lebens zuteil wird. Sie sehen in der Schönheit der Bergwelt den Widerschein einer göttlichen Macht. Sie unterwerfen sich der Askese und finden vorübergehendes Glück in überstandenem Schmerz und Gefahr. Und trotzdem sehen Bergsteiger zunächst nur das Kunstwerk, nicht den Künstler. Wir werden Gott nie sehen können, aber ich gestehe, daß mir – und nur in den Bergen – für kurze Momente das Gefühl zuteil wird, als ob ich mit Gott als dem Spender alles Lebens verbunden bin. Für mich stehen Kreuze deswegen auf Gipfeln. Das Kreuz auf der Gerlsdorfer Spitze mag alle Vorgänger lange überdauern, wer aber seiner gewahr wird, wenn er sich kletternd dem Gipfel nähert, wird an die Vergänglichkeit der Welt erinnert. Kaum wird er jedoch an den Slowakischen Volksaufstand denken, dem das Kreuz geweiht ist.

Mich zieht die Ferne, die große Leere an, die ich von einem hohen Gipfel aus über die Welt werfen kann. Eine Leere, die sich vom Magen aus ausbreitet. Ich habe lange nichts gegessen, bin ausgepumpt. Die Leere befällt das Gehirn als nächstes, flutet durch alle Organe und Glieder gleich leicht, ungreifbar wogend und flackernd. Ich weiß nicht, weshalb mich in dieser zur Unendlichkeit strebenden Leerheit ein zwiespältiges Gefühl beschleicht, ein Gefühl, das mich glücklich und unglücklich zugleich sein läßt. Mich überkommt gleichzeitig Überschwang und Schwermut, mich überkommen Lebensfreude und Verzweiflung in widersprüchlichsten Dissonanzen.

Läßt mich das Ungefähr der Ferne nach Einsamkeit sehnen? Höre ich die Schwingungen einer unendlichen Melancholie? Fühle ich die Traurigkeit des eigenen Schwebens? Oder bedeutet der ekstatische Rhythmus meines Pulses den Triumph der Himmelshöhen? Den Sieg?

Wie kann ich inmitten dieser unbegrenzten Landschaft, allein, einen Triumph feiern? Ich sauge die Einsamkeit, die Verlorenheit des Alls ein, verzaubert von der verzückenden Träumerei der Gipfelstunde. Der Sturz in eine äußere Leere, der vorhin gedroht und mein Leben fast beendet hätte, wäre so unkompliziert gewesen! Den Griff ausreißen, Halt verlieren, stürzen ist eine einfache, unstrukturierte Empfindung. Schrecksekunde. Alles vereinfacht. Hier jedoch, auf dem Gipfel letztlich angekommen und über die spitze Gipfelwelt der Tatra schauend, überkommt mich die verrückte Empfindung, in mir selbst jeden Halt zu verlieren. Meine innerliche Nichtigkeit beginnt mich zu verschlingen, ich drohe in mein eigenes Vakuum hineinzustürzen. Ich fühle, wie der Gedanke an mich selbst bedroht, wie Abgründe mich locken, wie mich das innere Chaos verschüttet. Meine Seelenwundheit löst alle Umrisse auf, um die Ferne im Glast des Horizonts noch wundersamer zu gestalten. Ich erlebe die Euphorie des Absturzes. Ich bin so vergnügt und so zerrüttet, daß meine innersten Tränen Himmel und Hölle zugleich wiederspiegeln.“




„Der Abstieg am nächsten Tag auf dem Fahrweg ins Tal ist ereignislos. Nach getaner Arbeit ist gut essen. Neben dem Autocamp Tatranská Štrba ist eine Reštaurácia. 'Was mechtän Härr trinkän?' Prosím pivo, natürlich. 'Was mechtän Herr essän? Mechtän Herr Fleisch von Gefliegäl oder mechtän Herr lieber Fleisch von Schewein?' Ich möchte die Speisekarte sehen. Der Kellner, schön schwarz angezogen mit weißer Serviette, reicht eine auf holzigem, saugfähigem Papier mit Schreibmaschine getippte, umfängliche Aufstellung in slowakisch. 'Bitteschään'. Die Schrifttypen der Schreibmaschine müßte man mal wieder reinigen und vielleicht auch die Typenhebel geradebiegen, aber was soll´s: Lesbar ist die Karte auch so. Im Darüberfliegen entnehme ich ihr, daß der Zucker für einen Kaffee extra zu bezahlen ist, und zwar abhängig von der Zahl der Würfel, die ich haben will. Die Preise sind lächerlich niedrig. Ich will schon etwas Richtiges haben, ignoriere also das 'Gefliegäl' und auch die 'Gerichte von Fisch' und lande bei dem Abschnitt 'Fur grosz Hunger'. Hier gibt es das Gericht 'Geräuchtete Knie'. Was kann das sein? Ich möchte den Kellner nicht in Verlegenheit bringen und bestelle das einfach. Ich erhalte eine Riesenportion Eisbein mit Kraut. Ich bin froh in der Slowakei zu sein. Hier kann man noch richtig essen.“




Dieses Kapitel ist erhältlich als Teil von Buch I und

als CD mit pdf-Datei, 111 Seiten,  davon 101 teilweise mit Bildern, Karten, Wegskizzen und/oder Höhenprofilen, in ansprechender Plexiglas-Hülle, etikettiert, mit Titelbild und Titelbeschriftung,
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