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Aufgegeben am Rande der Welt: St. Kilda – Conachair


Verlassene schottische Inselgruppe im Atlantik vor den Äußeren Hebriden, einst von einer völlig isolierten Gemeinschaft bewohnt, dadurch quasi unabhängig



Vom Gipfel des Conachair hinüber nach Boreray und seinen zwei Trabanten Stac lee und Stac an-Armin

 

Scotland's Environment Minister Michael Russell presents a film of his visit to Scotland's remotest islands:

http://www.youtube.com/watch?v=OLqqGvqkYH4

Adrian Allan: http://www.youtube.com/watch?v=QL0wYU8lKxI&feature=related


Auszüge:


"Es ist ein 19. Mai, als ich zum ersten Mal im Jahre 2006 den Anlauf nehme. Bus Nummer 61 nimmt mich von Inverness quer über das schottische 'Festland' über Strathpeffer und Garve nach Ullapool an den Loch Broom. Von hier gehen 10 Uhr morgens die Fähren der Caledonian MacBrayne in zwei Stunden und 40 Minuten über die Meerenge des North Minch hinüber nach Stornoway auf die Insel Lewis – auf gälisch das 'Eilean Leòdhais'. Doch vorher quartiere ich mich in der kleinen Jugendherberge in der Shore Street Nummer 22 ein, wie der Name sagt, an der Hafenkante.

An dieser Stelle muß ich ein Loblied singen auf schottische Jugendherbergen. Nirgendwo in der Welt habe ich bessere Unterkünfte gefunden als in den kleinen, unauffälligen Häusern mit dem Kürzel SYHA für Scottish Youth Hostel Association im roten Dreieck. Sie sind einfach und sauber, vereinen gleichgesinnte, disziplinierte Leute und bieten den lukullischen Luxus einer Küche und den geistigen einer Bibliothek. Sie werfen ihre Gäste für sieben Stunden am Tag hinaus an die frische Luft, damit sie Schottland kennenlernen, wenn sie das Haus säubern und in Ordnung bringen wollen. Welches kommerzielle Hotel bietet das?"

 

 Durch Ruinen des Dorfs zur Radarstation auf dem Mullach Mòr



 Tiefblick auf die Village Bay mit Stac Levenish und dem Dun

 

"Ich schlafe eine windstille Nacht ruhig in meiner Koje eingepfercht und schlage mir ständig beim Aufstehen den Kopf an der Unterkante des Obergeschoßbettes an. Ein herrlich sonniger Morgen bricht an, verführerisch schön, so daß Murdo ein zweites Mal seine Pläne anpaßt. Er spricht plötzlich davon, daß er zunächst zur Insel Scarp – vorgelagert vor der Küste – fahren möchte, um von dort gegebenenfalls direkt nach St. Kilda 'hinüberzuschießen': 'The shwell'sh verry high', gibt er in breitem schottischen Akzent zu verstehen, 'we can't make a landing. But if it's getting better I would be the lasht not to dash out immediately'. Diesen Spruch hören wir in den Folgetagen noch öfter – die Dünung ist hehr hoch, wir können nicht an Land gehen. Wenn es besser wird, wäre ich der Letzte, der nicht sofort hinausschießen würde.

Eine Seeschwalbe fliegt über unser Schiff und zeigt uns, wie es geht. So läßt Murdo nach dem Frühstück – black pudding with beans and hush browns, egg sunny side up – um kurz nach 10 Uhr die Motoren an und dampft mit uns wieder aus dem Loch Tamanavay ins offene Meer. Wir passieren in unserem rollenden und schaukelnden Schiff die Insel Scarp, die gerade vor dem Ausgang des Loch Resort liegt, und steuern nach Westen. Bevor uns Murdo erklären kann, was er im Schilde führt – St. Kilda doch anzusteuern –, macht er eine scharfe Linkskurve und steuert mit dem Wind in Richtung der weiter südlich gelegenen Insel Taransay. Sofort läßt das Rollen und Schaukeln nach. So wie Murdo uns erklärt, wäre er zwar in der Lage gewesen, St. Kilda zu erreichen, wir hätten dort aber wegen dem hohen Wellengang nicht an Land gehen können
."


 Ewan and the Gold Dick Gaughan singt von einem der wenigen St. Kildaer, der seine Heimat verließ und immer wieder zu den extrem abgelegenen und rauhen Inseln zurückkehren musste:  http://www.youtube.com/watch?v=cM7TVsPjhEs


Der Conachair vom Mullach Mòr aus

 

Stac Lee inmitten eines Schwarms von Baßtölpeln

 

"Schauer peitschen über das Autodach. Die leere Büchse meines Linseneintopfs fliegt im Wind und kollert in den Straßengraben am Rand des Parkplätzchens vor dem Fährterminal. Wie komme ich bewegungslos hinter dem Steuer kauernd mit der Kälte zurecht? Nasse Socken habe ich, kalte Füße. Die Kälte kriecht die Beine hoch. Ich wärme meine Niere an der Lehne des Autositzes. Alles um mich ist feucht und klamm.

Der nächste Morgen bringt mich auf der Fähre der Caledonian MacBrayne hinüber nach Tarbert auf Harris.

[...]

Für die Nacht finde ich einen Stellplatz in den Torffeldern vor Miavaig. Draußen rufen Vögel an einem Bach, der sich schwarz durch die Wiesen schlängelt. Wasser ist auf Lewis genug da. Und es regnet schon wieder. Kruspeln auf dem Autodach. Wieder Zeit in der hellen Sommernacht, über mein Leben nachzudenken. Graupelschauer prasseln nieder, als ich schlafen gehe.

Der Morgen ist täuschend klar. Doch schon bald ziehen Wolken auf, noch bevor die Sonne Gelegenheit findet, die sumpfigen Wiesen hinter meinem nächtlichen Asyl zu wärmen.

[...]

Die ganze Nacht und den Vormittag über rüttelt ein heftiger Sturmwind an meinem Auto. Die Autotür zu öffnen ist fast unmöglich; beim Aussteigen muß ich achtgeben nicht fortgeblasen zu werden. Der Fährverkehr von Tarbert nach Uig ist eingestellt. Mit der Zeit bricht die Sonne zwischen den schnell vorbeiziehenden Wolken durch, die immer wieder Schauer niederprasseln lassen. Nachmittags läßt der Sturm nach, die Fähre fährt wieder. Ohne gekochtes Mittagessen – das wäre nur in einer dreiseitig ummantelten Bushaltestelle als Unterstand gegangen – setze ich mich in Bewegung, um Angus Campbell von Kildacruises in seinem Haus 'Heatherlea' in West Tarbert aufzusuchen.

Seit Tagen sitze ich jetzt eigentlich nur regungslos im Auto. Unter meinem Uhrarmband hat sich eine Zecke eingenistet; wo ich diese wohl aufgeschnappt habe? Zeit, um Tarbert – gälisch An Tairbeart oder Tairbeart na Hearadh, aus dem altnordischen abgeleitet und übersetzt sinngemäß als 'Landbrücke', wörtlich 'zieh das Boot' – näher in Augenschein zu nehmen. Es handelt sich um ein an sich bedeutungsloses Fischernest von etwa 500 Einwohnern, das Zentrum für weit verstreute Höfe und Häuser quer über Harris, eingezwängt zwischen West und East Loch Tarbert. An der Rückseite des Touristenbüros Ionaid Fiosrachaidh, wo auch die Überlandbusse halten, finde ich einen Geldautomaten und einen Warteraum mit öffentlicher Toilette. Ein „Director for Sustainable Communities“, der das Etablissement verwaltet, hat auch dafür gesorgt, daß ich in dem speziellen Behindertenklo kostenlos eine Dusche benutzen kann. Dazu gibt es Steckdosen zum Laden von Handy und Fotoapparat, und all das in diesem trostlosen Kaff. Wieder bin ich von britischer vandalismusfreier Kultur beeindruckt."


 The St. Kildans' Song (Oran na Hiortaich):  http://www.youtube.com/watch?v=7qL9wcFr2dg&feature=related


 

 Einsames Schaf vor dem Chaipaval

 

"8 Uhr 37 durchfahren wir einen Regenbogen zwischen den letzten beiden Inselchen, die dem “Festland” vorgelagert sind, und dann geht's tatsächlich auf die offene See hinaus. Das Boot hopst freudig über die Wellen, und weil es so schnell ist – 23 Knoten –, spürt man die Kämme und Täler nicht so sehr. 9 Uhr 10 vor uns halblinks – kaum können wir es durch die verspritzten Scheiben erkennen – passieren wir noch ein flaches, kahles Inselchen oder eine Gruppe: die Flannan Islands meinen einige – Na h-Eileanan
Flannach; das stimmt aber nicht; die Flannans liegen weiter nördlich.

Kaum später, 9 Uhr 37, entdecken die Ersten an Bord in der Ferne voraus die schwachen Konturen eines Berges im Grau des unendlichen Wassers: Hirta. Noch sind es zwei Stunden bis dorthin. Je länger die Wellenreiterei dauert, desto mehr wird allen an Bord die Ungemütlichkeit ihres eingepferchten Daseins bewußt: Die See ist noch immer rau; ein Aufenthalt außerhalb der Kabine an der Reling ist nur möglich, indem man sich mit mindestens einer Hand festhält und den Körper an der Wand der Kabine abstützt. Fotografieren wird so zu einem schwierigen Experiment; dazu spritzt das Salzwasser auf die Linse."


 Am Temple Sand von Little Bernera

 


Insel im See: auf Taransay


Über West Loch Tarbert

 

"Ich sehe zu, daß mich bald löse, wegkomme von der geschwätzigen Gruppe, streife schnell durch das Dorf entlang der Häuserzeile, stoppe kurz im Oval des alten Friedhofs und zweige dann bergan ab, schräg hinüber nach links, wo ich versuche, das Asphaltsträßchen zu erreichen. Beim Steigen fällt mir jedoch auf, daß dies mehr und mehr nach links hin abweicht, hin zu einer Radarstation links außen, während ich mehr auf den Antennenmast geradewegs über mir zuhalten will. Schnell will ich hochkommen zu meinem eigentlichen Ziel, all der Rest, die Ruinen des ehemaligen Dorfs, den National Trust, das Lädchen, die Kirche, das Schulhaus, alles muß ich fürs erste hinter mir lassen und auf später verschieben.

Ich halte mich an das Tälchen Abhainn Mhòr, das zum Paß emporleitet. Der Grashang wird steiler, der Atem kürzer; ich gerate ins Schwitzen. Im Höhersteigen wird klar, daß die Radarstation links außen viel tiefer liegt als der Antennenmast vor mir, daß die Antenne aber auch nicht den Gipfel darstellt, sondern nur einen Paß, und zwar zwischen dem eigentlichen Gipfel des Conachair rechts der Antenne auf einer Anhöhe und dem Mullach Mór – 381 Meter – links. Atemberaubend der Tiefblick auf das Dorf mit den wenigen, kümmerlichen Häuschen und die Glorie der offenen, in der Sonne glänzenden Bucht. Doch schon zieht eine Wolke über mich hinweg und entläßt den obligatorischen Schauer, als ich endlich um 13 Uhr 10 die Einzäunung der Antenne erreiche und auf dem Betonsockel ihres Masts ein trockenes Plätzchen im Windschatten finde. Dort messe ich die Höhe mit 359 Meter auf ± zehn Meter genau und die Koordinaten mit 57 Grad 45,155 Minuten Nord 8 Grad 35,010 Minuten West.

Hinter dem Mast stehen vier hübsche Kugeln einer Radaranlage; gnadenlos verunstalten sie den Grat, hinter dessen Kante Felsabstürze zur Nordküste Hirtas hinunterfallen. Ich warte ab, bis der Regenschauer vorbeigezogen ist, dann wandere ich durch einen flachen Sattel nach rechts hin der Anhöhe zu. Im Tiefflug greifen mich Raubmöven an, die ihre Nester im Gras schützen wollen, schießen auf meinen Kopf zu, nur um scharf an mir vorbeirauschend Schrecken zu hinterlassen und vielleicht einen Luftzug. Great Skua, wie sie auf Englisch heißen oder Stercorarius skua auf Latein und 'Bonxie' im allgemeinen Sprachgebrauch der Shetland-Inseln, sie sind die wahren Herrscher über St. Kilda an diesem Mittag.

Über sumpfige Grashänge erreiche ich nach Osten hin am Rand des Abgrunds den windigen Grasgipfel des Conachair. Nach drei Jahren im dritten Anlauf! Zwanzig mal zwanzig mal zehn Meter etwa mißt das Gipfelplateau und trägt ein kleines Gipfelmonument, offenbar kein verwitterter Vermessungsstein, denn es fehlt ihm das obligatorische Flush Bracket. Ein Blick auf die Karte zeigt, daß etwas südlicher am Hang, in 376 Meter Höhe, ein Vermessungsstein windgeschützt angebracht sein soll – ich habe ihn nicht aufgesucht. 13 Uhr 50 ist es. 429 Meter messe ich auf ± fünf Meter genau. 57 Grad 49,257 Minuten Nord 8 Grad 34,396 Minuten West.

Über den Gipfel geht die Sicht hinaus ins Blaue und darunter fast übergangslos in den  ebenso blauen Ozean. Da schwimmt vorn geradeaus scharf schräg aufragend der Zinken von Boreray und seine zwei spitzen Wächter-Stacs, An Armin und Lee. Unter mir brechen die granitenen Steilabfälle und Wände direkte 400 Meter zur Küste ab, die höchsten Großbritanniens, ein winziges bißchen höher als die des Kame auf Foula, der westlichsten der Shetland-Inseln. Nach Osten zu setzt sich die Abbruchkante fort, schweift über 'The Gap' hinüber zum Vorberg Oiseval / Oisebhal – 293 Meter. Und woher ich gekommen bin steht da noch die Radarstation und in Verlängerung in der Ferne der runde Buckel der Nachbarinsel Soay mit ihren schier unzugänglichen Steilküsten, dem äußersten westlichen Bollwerk Britanniens."


Abend am West Loch Tarbert


 Die keltische Band Capercaillie singt "Fhir a' bhàta", das klassische Liebeslied der Hebriden vom späten 19. Jahrhundert: http://www.youtube.com/watch?v=ZVup_-eFcKQ 

Gaelic verses

Séist:

Fhir a' bhàta, na hóro eile
Fhir a' bhàta, na hóro eile
Fhir a' bhàta, na hóro eile
Mo shoraidh slàn leat 's gach àit' an déid thu

'S tric mi sealltainn on chnoc as àirde
Dh'fheuch am faic mi fear a' bhàta
An dig thu 'n-diugh na 'n dig thu màireach
'S mar dig thu idir gur truagh a tha mi

Tha mo chridhe-sa briste brùite
'S tric na deòir a ruith o m' shùilean
An dig thu nochd na 'm bi mo dhùil riut
Na 'n dùin mi 'n doras le osna thùrsaich?

'S tric mi faighneachd de luchd nam bàta
Am fac' iad thu na 'm bheil thu sàbhailt
Ach 's ann a tha gach aon dhiubh 'g ràitinn
Gur gòrach mise ma thug mi gràdh dhut

Gheall mo leannan dhomh gùn dhen t-sìoda
Gheall e siud agus breacan rìomhach
Fàinn' òir anns am faicinn ìomhaigh
Ach 's eagal leam gun dèan e dìochuimhn'

Ged a thuirt iad gun robh thu aotrom
Cha do lughdaich siud mo ghaol ort
Bidh tu m' aisling anns an oidhche
Is anns a' mhadainn bidh mi 'gad fhaighneachd

Thug mi gaol dhut 's chan fhaod mi àicheadh
Cha ghaol bliadhna 's cha ghaol ràithe
Ach gaol a thòisich nuair bha mi 'm phàiste
'S nach searg a chaoidh gus an claoidh am bàs mi

Tha mo chàirdean gu tric ag innseadh
Gum feum mi d' aogas a leig' air dìochuimhn'
Ach tha 'n comhairle dhomh cho dìomhain
'S bi tilleadh mara 's i toirt lìonaidh

Bidh mi tuille tùrsach deurach
Mar eala bhàn 's i an dèidh a reubadh
Guileag bàis aic' air lochan feurach
Is càch gu lèir an dèidh a trèigeadh

English translation

Chorus (after each verse):

Oh my boatman, na hóro eile
Oh my boatman, na hóro eile
Oh my boatman, na hóro eile
My farwell to you wherever you go

I often look from the highest hill
that I might see, oh boatman
Will you come tonight, or will you come tomorrow
Oh sorry will I be if you do not come at all

My heart is broken, bruised
Often tears are running down from my eyes
Will you come tonight, or will I wait up for you
Or close the door with a sad sigh?

I often ask of the boatmen
If they have seen you, if you are safe
But they all tell me
That I was foolish if I gave you love.

My darling promised me a gown of silk
That and a fine plait
A golden ring in which I'd see a likeness
But I fear that he shall forget.

Although they said you were flighty
That did not lessen my love for you
You are in my dreams at night
And in the morning I ask for you.

I gave you love and cannot deny
It's not love that lasts a year or a season
But a love that began when I was a child
And that will not wither until death do take me.

My friends say often
That I must forget your image
But their counsel is as unfathomable to me
As is the returning tide.

I am all too sad and tearful
Like a white swan that has been torn
Sounding her death-call on a small grassy loch
Having been forsaken by all.

  


Dieses Kapitel ist erhältlich als Teil von Buch N und

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