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In Rübezahls Reich: der Gipfel der Tschechen – Schneekoppe

 

An der Elbquelle 



  

 Auszug:

„Auf der Równia pod Śnieżką faßt mich der Sturm hart an. Der Weg auf die Kleine Koppe – Kopa – ist zwar breit und gepflastert, aber ich gehe wie ein Betrunkener. Geduckt stemme ich mich gegen den Wind, der vielleicht mit 180 Stundenkilometer Geschwindigkeit über den Kamm fegt. Einmal wirft er mich um und setzt mich neben dem Weg ins Gras ab; ich war zu aufrecht gegangen.

Vom Gipfel der Schneekoppe ist nichts zu sehen, Wolkenfetzen ziehen über ihn hinweg und an ihm vorbei. Das Georgel des Sturms läßt nicht nach. Mit Mühe erreiche ich über den Paß Przeł pod Śnieżką – 1394 Meter – auf dem Jubiläumsweg das Schlesierhaus; der Paß trennt den Riesengrund – Obři Důl – auf böhmischer vom Melzergrund – Kocioł Łomniczki auf schlesischer Seite. Im Windschatten des 1921/22 erbauten Berggasthauses stehe ich eine Weile zur Erholung. Mit Erholen drinnen ist’s nichts – alles verrammelt. Jubiläumsstimmung will so recht nicht aufkommen. Die Wolkenfetzen über dem Gipfel reißen für ein paar Sekunden weg – ich sehe den Gipfel mit dem Restaurant. Dann ist wieder alles Nebelsuppe. Der Sturm läßt die Blechverkleidung an der Dachrinne klappern. Ich reiße mich zusammen und breche zum letzten Gefecht auf.

An den Ketten des Zickzackwegs von 1852 ziehe ich mich gegen den Sturm die letzten 190 Höhenmeter hoch. Manchmal drückt mich eine Böe in die Seile. Die Sicht geht höchstens zwanzig Meter weit. Dahinter verschwimmt alles in einem grauen Gebrabbel. Meine Brille ist naß von feinen Tröpfchen. Die Kapuze meines Anoraks stört, wenn ich den Kopf drehen will. Die Hände riechen nach Rost. Das Riesengebirge besteht im Norden aus Granit und Gneis und im Süden aus gehärtetem Kontakt-Glimmerschiefer; irgendwo hier am Gipfel muß die geologische Grenze verlaufen; ich habe keinen Blick dafür.“

 


Alter Grenzstein auf dem Altvater


Dieses Kapitel ist erhältlich als Teil von Buch I und

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