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Türkei "richtig" – Ararat




Berg der Sintflut, Berg Noahs


"Aus dem Dunst erhebt sich einsam der edle Berg, majestätisch in totaler Isolation, über die etwa 1200 Meter hohe, kahle Hochebene; man kann dem nur schwer widerstehen, es ist nicht zu vergessen. Er ist nach dem Mont Blanc der nächste Berg, der diesen an Höhe übersteigt. Er ist der nächste Fünftausender. Atemberaubend schön, wie er hochragt, kuppelförmig oben zusammenläuft und an seinem Gipfel ein kleines Wölkchen festhält, das es nicht schafft in den blauen anatolischen Äther zu entfliehen."

Auszüge:

"Jetzt bin ich also in Asien. Oder doch nicht?

Mit Türk Hava Yolları von der mediterranen, quirligen Metropole Istanbul über Ankara nach Van. Flug über den Krater des erloschenen Vulkans Nemrut Dağı und über den Van-See – Van gölü. Der Flugplatz ist eine Piste in leerer Landschaft. Die Gesichter der Wartenden sind mittelasiatisch. Die Frauen tragen Kopftücher. Was suche ich hier also?"

 

Doğubeyazıt am Fuß des Ararat

 

"Der Ararat ist Asien, daran führt kein Weg vorbei. Hinterste, finsterste Türkei, eingeklemmt in eine Ecke, die von Iran und Armenien begrenzt wird. Und doch ist er Teil der europäischen Kultur und christlichen Religion. Ich beschließe, einsam, daß die Kategorie 'Europa', der ich mich unterworfen habe, angesichts des Ararat über Bord geworfen werden muß."


Bereit zur großen Attacke

 

"Wir packen unsere Rucksäcke für den nächsten Tag, sitzen in einer Runde zum Abend um ein Lagerfeuer. Plötzlich Bewegung in der Umgebung: Jenseits des kleinen Lagerbächleins rühren sich Soldaten, Kommandos erschallen. Wir werden jetzt erst gewahr, daß wir 'beschützt' werden von einer Einheit der türkischen Armee. Wogegen eigentlich?

Das Problem ist weitgefächert: Umherstreifende Diebe ist die unpolitischste Erklärung; kurdische bewaffnete Gruppen, die den Berg vor Arche-Forschern schützen wollen, ist eine andere. Tatsächlich haben sich einige Banditen schon zu Wächtern der Arche erklärt, Touristen zusammengeschlagen und beraubt, und eine drohende Haltung gegen alle eingenommen, die ihnen die Kontrolle des Ararat streitig machen wollen. Wieder stößt Europa auf Asien. Jedenfalls schwärmen die Soldaten aus und beziehen für die Nacht Stellung auf den Hügeln in der Umgebung des Lagers. Wir schlafen ruhig."

 

 


Was wächst noch auf 4000 Meter Höhe?

 

Hochlager

 

1. Mose, Kapitel 9, Vers 13: "Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken ..."

 

"Als wir nach fünf Stunden an den Hochlagerzelten ankommen, hat sich der Himmel zugezogen. Das nachmittägliche Gewitter kündigt sich an. Viel Zeit bleibt uns nicht. Wir flüchten in eines der Zelte und lassen einen heftigen Graupelschauer mit Blitz und Donner über uns ergehen. Wir frösteln, wo wir noch gerade geschwitzt haben. Wind bläst sprühende feinste Tröpfchen durch die schützende Zeltplane.

Als das Gewitter verzogen ist, kriechen wir aus unserer Notunterkunft. Achmed, der hier im Hochlager wochenlang die Stellung hält, hat schon Tee gekocht. Es klart auf. Der Blick geht zum Kleinen Ararat, dessen Höhe wir jetzt schon knapp übertroffen haben. Ein Regenbogen überspannt mit intensiven Farben den Himmel. Stand dazu nicht auch etwas in der Bibel? Wir lesen in Genesis, Kapitel 9, die Verse 11 bis 17:

'Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich gemacht habe zwischen mir und euch und allen lebendigen Seelen bei euch hinfort ewiglich: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. Und wenn es kommt, daß ich Wolken über die Erde führe, so soll man meinen Bogen sehen in den Wolken. Alsdann will ich gedenken an meinen Bund zwischen mir und euch und allen lebendigen Seelen in allerlei Fleisch, daß nicht mehr hinfort eine Sintflut komme, die alles Fleisch verderbe. Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, daß ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und allen lebendigen Seelen in allem Fleisch, das auf Erden ist. Und Gott sagte zu Noah: Das sei das Zeichen des Bundes, den ich aufgerichtet habe zwischen mir und allem Fleisch auf Erden.“

 

Die aufgehende Sonne wirft einen Schatten des Ararat nach Südwesten.

 

Yaşar Kemal: „Der Ararat ist wie eine andere Welt, die sich über unsere hiesige Welt gelegt hat. Sein Gipfel ist zumeist umwölkt, manchmal jedoch ziehen anstelle der Wolken in buntem Durcheinander Sterne herauf. Sternenhaufen, die sich drehen und vom Sturm davontragen lassen. Nach langen Nächten geht an der Flanke des Ararat die Sonne auf wie ein leuchtend roter Feuerschein.“

 

Schwächeln?

 

"Auf einer schneefreien Rippe windet sich die Spur höher. Jetzt wird es schon schwieriger mit dem Atmen und Luftholen; es kribbelt in den Beinen und Fingern: Typisch für schlechte Höhenakklimatisation, aber noch kommen wir alle so zügig voran, daß es klar wird: Der Gipfel wird uns gehören."

 



 

Nur noch wenige Meter zum Gipfel!

 

Oben!

 

"In knapp 5000 Meter kommen wir abrupt an den Rand des Gletscherfirns, der über das Gipfelplateau gebreitet ist. Steigeisen werden angelegt. Jetzt ziehen wir noch quer über das flach ansteigende Firnfeld, die flache Kuppe des Inönü-Peak links lassend. Und zuletzt ein kurzer Wulst: Wir sind oben. 20. Juli 1990, 10 Uhr morgens.

Wir fallen uns in die Arme. Für einige in unserer Gruppe ist es der erste Fünftausender; für einige wird es der einzige bleiben. Wir sind froh, daß wir es alle gleich schnell, gleich gut geschafft haben. Und da brechen auch die ersten schon in Lachen aus: Was steht denn da auf dem Gipfel, an einen hölzernen Stab angekettet? Eine kleine Arche Noah!

Die hölzerne Nachbildung, nicht einen Meter lang, ist nicht mehr unbeschädigt: Zu viele haben sich hier schon das Souvenir ihres Lebens abgehauen. Und so klopfen wir auch bald einträchtig mit unseren Pickeln auf dem unschuldigen, klobigen Schiff herum und sichern uns ansehnliche Splitter. Einer steht noch heute auf meinem Schreibtisch und ist noch nicht durch 'Besseres' verdrängt worden. Je mehr Zeit verstreicht, desto mehr steigt die Wahrscheinlichkeit, daß es auch so bleiben wird: Der Gipfeltag am Ararat war eine Sternstunde.

Wenn einmal gar nichts mehr geht im Leben, wenn alles schief läuft: Ein Andenken an einen solchen Moment mag zwar vor einem auf der Schreibtischplatte stehen. Man muß es aber auch wahrnehmen. Nimmt man es wahr, dann fällt alle Schwere ab. Niemand kann mir das Andenken an die vielen 'einzigen' Stunden auf den Gipfeln der Welt nehmen."

 

Blick hinunter auf den Kleinen Ararat

 

"Es gab keine weite Aussicht, außer dem Blick 'von oben herab' auf den kleinen Bruder des Küçük Ağrı Dağı nichts Greifbares. Die ersten Nachmittagswolken ziehen schon wieder herauf. Bülent drängt auf Abstieg. Nach einer halben Stunde bleibt der Gipfel allein zurück. Unberührt in der gleißenden Sonne, während wir über das schräge Firnplateau schon wieder lagerwärts streben. Abends wanken wir müde ins Basislager. Tee steht schon bereit."

 

Die Alpe Abrahams: Kinder im Überfluß

 


Der große Berg entschwindet im Dunst.

 

Gewitterwolken über dem İşak Paşa Serail

 

"Heute steht der Ishak-Pascha-Palast am Ende eines trostlosen Tals. Weite Trümmerfelder zu seinen Füßen markieren das alte Beyazid. Der Blick geht über das voller Gewitterwolken hängende bergige Ostanatolien, gegen Sonnenuntergang. Drohend türmen sich die Wolken, reißen an verschiedenen Stellen auf und lassen die Strahlen der tiefen Sonne durchbrechen, eine Atmosphäre voller Farbe und Geheimnis."

 

Wahrhaft biblisch: die Brücke von Çobandede

 

"Während der Nacht, der letzten in unserem Hotel in dem elenden Grenzort Doğubeyazıt, wachte ich eine halbe Stunde nach Mitternacht auf, stand auf und ging auf den Balkon unseres Zimmers. Der Ararat glomm bleich im Mondenschein. Der Himmel klar und sternübersät. Zehn Grad Celsius zeigte das Thermometer. Ich fröstelte und flüchtete wieder ins Bett zurück. Und um halb-fünf trieben die Schäfer schon ihre klingelnden Herden auf die Weide. Ich konnte nicht mehr einschlafen. Nach solchen Bergen bin ich innerlich aufgedreht und komme schwer zur Ruhe. Also doch wieder hinaus auf den Balkon! Noch vor 5 Uhr schoß der erste Sonnenstrahl hinter dem Kleinen Ararat hervor und verkündete einen neuen Tag."



Dieses Kapitel ist erhältlich als Teil von Buch T und

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