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Weißrußland – Aus der Svyataya wurde die Gara Dzyarzhynskaya


Die letzte "richtige" Diktatur Europas

 

 Wie alles in Weißrußland, ist auch dieser Kleinhügel – der höchste des Landes – standardisiert symmetrisch, ein Denkmal der Starre.

Tour to the Belarus High Point (Hara Dzyarzhynskaya): https://www.youtube.com/watch?v=9nQh3HTkvQw



"Graue Regenwolken ziehen über die moderne weißrussische Grenzstation. Beamte mit breitrandigen Tellermützen hängen in Gruppen untätig herum. Auch eine schlanke, langbeinige Hübsche in schwarzen Strumpfhosen spielt eine zentrale Rolle; ihr sind alle zugetan, für mich hat man wenig Zeit. TRANSPORTNAJA INSPEKZIJA – Transport Control – Motor Vehicles Control – steht über dem Häuschen, an dem ich vorzusprechen habe. Einen Kontrol'nyj talon No. BIM 155661 drückt man mir als Erstes in die Hand. Alles scheint hier Kontrolle zu sein. Zwei Autos stehen vor mir. Nichts bewegt sich.

Als ich an die Reihe komme, habe ich zuerst drei Euro Krankenversicherungsgebühr für die sechs Tage zu entrichten, die ich im Lande zu verbringen gedenke. Ein älterer Herr in Zivil, der noch deutsch kann, bietet sich an, mir zu helfen, das Krankenversicherungsformular und die Migrationskarte auszufüllen. 'Sagen Sie denen nicht, daß ich das ausgefüllt habe. Sie haben das geschrieben', werde ich instruiert.

Dann Bagage. Hinten öffnen! Brav öffne ich die Hintertür meines Opels. All die Dosen mit Fertiggerichten zerrt man hervor, die ich hier, in Karelien und auf der Rückreise in Finnland und den Baltenstaaten noch essen will. Ich werde belehrt, daß ich maximal nur fünf Kilogramm Lebensmittel mitbringen darf. Darüber ergibt sich eine hitzige Diskussion. 'Wollen Sie mich über unsere Gesetze belehren?' höre ich. Nein, das will ich nicht, ich will nur, daß man die Gesetze sinnvoll anwendet. Nichts spräche dagegen, einen Vermerk in meinem Paß anzubringen, daß ich mindestens die eingeführten Kilogramm minus fünf wieder auszuführen hätte. Man müßte nur flexibel sein; man müßte wollen. Wenn das nicht hilft, würde ich sogar Zoll für die Dosen zahlen. Denn wertvoll sind mir die Dosen nicht wegen ihres Inhalts, sondern wegen der Ungebundenheit, die sie vermitteln – ich kann zu jeder mir passenden Zeit am Straßenrand abkochen und brauche nicht umständlich nach einem Restaurant suchen. Letztlich drücken die Beamten ein Auge zu und lassen mich ziehen.


Doch bei der Endkontrolle laufe ich auf. Ich werde zurückgeschickt zur Transportkontrolle. Aha, ich muß noch zur TAMOZHENNAJA SLUZHBA, dem Zolldienst. Irgendwie zweifle ich an der Logik. Hatte ich nicht gerade den Inhalt meines Autos ausgebreitet und diskutiert? Die Dame des Zolldiensts bestätigt: Ich habe schon alle nötigen Stempel. Trotzdem interviewt sie mich: Wohin? Minsk. Gomel. Auto registriert wo? In Deutschland. Alles klar.

Über die Endkontrolle entkomme ich in die weißrussische Freiheit. Sie besteht aus einer breiten, vierspurigen Autobahn ohne rechten Verkehr, geradeaus, schnurgerade, eintöniges, flaches Ackerland zu beiden Seiten.
"

Auszüge:

 

Öd.

Auf dem Weg nach Minsk


"Die Straße zieht geradeaus in Wellen über Feld, Wiesen und Waldstücke. Nach 3,4 Kilometer stoße ich auf das Ortsschild Skirmantawa, russisch: Skirmontovo. Unansehnliche Häuschen ducken sich dahinter an einem Waldrand. Zur Rechten am Horizont ragen die Stangen einer Antennen-Anlage empor. An einem Sägewerk vorbei – das scheint das Zentrum des Ortes zu sein – treffe ich wieder auf ein Schild, das mich nach rechts 100 Meter auf einem Feldweg weg von der Straße schickt, hin zum höchsten Punkt. Gleich hinter dem Abzweig des Feldwegs parke ich mein Auto am Rande eines sauber hergerichteten Parkplatzes.

Jetzt folgt die eigentliche Besteigung. Auf einem mit Kunststeinen gepflasterten Weg wandere ich etwa 80 Meter im Bogen nach rechts leicht ansteigend auf ein freies Feld hinaus, das von zwei Seiten – Westen und Norden von Birkenwald umgeben ist, von Osten jedoch von den Resten einer Kolchose begrenzt, auf der Landmaschinen und Schrott vor sich hin rosten. Nach Süden bildet das Parkplätzchen die Grenze des Gevierts.

Und was steht im Zentrum des Gevierts? Ein aus Kunststeinen errichteter Zaun auf quadratischem Grundriß umschließt hier eine künstlich aufgeschüttete Pyramide – alles künstlich – etwa 1,80 Meter hoch, von Blumenrabatten eingefaßt, um das Prestige des Platzes zu erhöhen. Zum Gipfel der Pyramide führen zwölf Betonstufen hoch. Oben thront ein glattgeschliffener Stein, wie ein Grabmal, mit verwaschener Inschrift, die ich nur mühsam entziffern kann, noch weniger, weil der Regen auch noch auf den Stein geklatscht ist."

Vorsicht! Der Patriarch von Weißrußland kommt! Zum Gedenken an die Heiligen Väter des Ersten Konzils von Nicaea

 

Auf die Knie, ihr Sünder!

 


"Glückliche" Weißrussinnen

 

Über dem Glück wacht der Schlächter Feliks Dzherzhinskij.

 

"Weißrußland ist zum Verrücktwerden. So auch dieses hübsche, blecherne russische Regenrohr. Es genügt nicht, daß der Regen gebündelt im Rohr hinunterschießt, nein, er muß auch um den Wulst am Sockel des Hauses herumgelenkt, in seinem Lauf gebremst, verdreht werden. Er muß die Richtung ändern, um dann für ein kurzes Stück wieder seiner eigentlichen Bestimmung entgegenzufallen, und zuletzt wird er abrupt ausgespuckt und platscht aufs Pflaster, denn die Kanalisation ist für solche Art Wasser nicht vorgesehen.

Ist es nicht ein genaues Abbild meiner Winkelzüge? Ist das nicht ein Abbild weißrussischer Geschichte?"


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