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Republik Zypern – Chionístra auf dem Olympos. 

Daneben der eingeklemmte Restbezirk Famagusta – Phanos




Der Gipfel vom britischen Militär besetzt

Auszüge:

 


"Da war noch die Frage von ordentlichen Landkarten zu klären. Das zyprische Fremdenverkehrsamt in Frankfurt hatte mir eine Straßenkarte mitgegeben, Maßstab 1 : 350000, fürs Detail praktisch unbrauchbar, höchstens zur Orientierung. Dazu hatte ich noch eine Beilage zu einem Reiseführer, immerhin schon 1 : 200000; er gab erste wertvolle Hinweise auf die Frage, wer denn wohl der jeweils Höchste sei in all den kleinen Splitterzonen, die ich aufzusuchen gedachte. Auf der türkischen Seite von Nikosia – in Lefkoşa also – hatte ich eine Karte mit den türkischen Ortsnamen der Nordhälfte aufgetrieben, hilfreich, um sich mit dem Auto zurechtzufinden, sonst aber unbrauchbar.

Der beste Tip kam von irgendwoher aus dem Internet: Das Innenministerium in Nikosia, Department of Lands and Surveys, hätte angeblich topographische Karten einzelner Teilgebiete Zyperns im Maßstab 1 : 66666. Andreas Christodoulou sei dort der Leiter.

Ich also nach Nikosia, in die Hauptstadt. Das Innenministerium an der Straße Leoforos Dimosthenous Severi Nummer 1453 ist ein breit hingelagerter Komplex eines relativ alten Hauptgebäudes, zweistöckig, mit diversen moderneren Anbauten und einer Straße dazwischen, in der ich parke. Der Pförtner schickt mich, auf der Suche nach Herrn Andreas Christodoulou, dem Leiter der Abteilung 'Lands and Surveys', in den jenseitig der Zwischenstraße gelegenen zweiten Komplex angegliederter Baracken. Ich beginne in einer herumzufragen und werde in eine andere geschickt, Block 1 genannt. Von dort schickt man mich in Block 8. Wo ist Block 8?

Ich finde zwar alle Blöcke von 1 bis 7, aber Block 8 verbirgt sich irgendwie. So frage ich in Block 7 und werde wieder an ein benachbartes Büro verwiesen, in dem Polizisten residieren. Alle scheinen hier etwas mit Ausländern, Einwanderern, Asylanten zu tun zu haben; hier passe ich zwar als Person hin, nicht aber mit meinem Anliegen. Ja, Herr Christodoulou sei im Gebäude gegenüber – offenbar firmiert das als Block 8.

Ich betrete das Büro eines distinguiert aussehenden Beamten, der mich bittet Platz zu nehmen. Er beendet noch seine Arbeit an ein paar Schriftstücken, bevor er bereit ist, sich meine Geschichte anzuhören. Lange und ausführlich erkläre ich ihm mein Hobby, bis er mir milde lächelnd mittelt, er sei zwar Andreas Christodoulou, aber ein anderer als der Gewünschte. Der residiere anderswo im Innenministerium.

Herr Christodoulou greift zum Telefon und wählt die Nummer, die ich ihm gebe: 022302100, des richtigen Herrn Christodoulou. Es kommt heraus, ich solle mich im Hauptgebäude des Innenministeriums an Frau Lakotripi wenden, der Pförtner würde mir schon erklären, wo die genau sei. Also gut, bedanke ich mich, packe meine Siebensachen und finde mich wieder beim Pförtner ein. Man trägt nun meinen Namen in ein Besucherbuch ein und händigt mir einen Besucherausweis aus. Mit dem gehe ich zum Hauptgebäude und dort links. Nein, ich solle die Treppe hoch in den ersten Stock.. Nein, hier sei Frau Lakotripi nicht, ich solle links den Gang entlang, hinten am Ende sei sie. Nein, hier sei sie auch nicht, sondern über eine Art hölzerne Verbindungsbrücke zwischen zwei Annex-Gebäuden. Dort angekommen, schickt man mich wieder einen Korridor entlang. Am Ende bin ich ganz nah: Die Dame erhebt sich und führt mich in das Nachbargebäude – hier ist sie wahrhaftig: Frau Lakotripi, jung und hübsch.

Sie scheint keine andere Aufgabe zu haben als gestrandeten Besuchern zu erklären, wo es lang geht. Ob ich mich in Nikosia auskenne? Nein, aber ich habe einen Stadtplan. Welch glückliche Fügung!

Ich muß zu einem Außengebäude, das quer durch die Stadt in Nummer 25a der Zinonos-Sozou-Straße liegt. Dort solle ich mich an einen Herrn Elia Elikkos wenden, der sei Leiter der Kartographie. Über die Straßen Leoforos Dimosthenous Severi, Leoforos Georgiou Griva Digeni und Gerasimo Markora erreiche ich die Zinonos Sozou und tatsächlich den unscheinbaren Eingang zum Treppenhaus des Lands and Surveys Department. Herr Elikkos sei im vierten Stock, erklärt mir der Erste, der mir entgegenkommt. Mit dem Aufzug fahre ich hoch. Dort öffne ich eine beliebige Bürotür und finde eine Kollegin des Gesuchten. Nein, Herr Elikkos sei in einer Besprechung auswärts und wie lange die dauere, könne sie nicht sagen. Aber es gebe einen Kollegen, der mir vielleicht weiterhelfen könne. Noch bevor wir diesen aufsuchen, kommt ihr der glorreiche Gedanke, mich darauf hinzuweisen, daß drunten im ersten Stock alle topographischen Karten zum Verkauf zu haben seien. Ich solle es doch am besten dort versuchen – 'wenn Sie aus dem Aufzug kommen, gleich gegenüber' – und wenn das nicht helfe, könne ich ja nochmal zu ihr kommen.

Drunten im ersten Stock finde ich tatsächlich ein Schalterbüro, an dem man mir die vier Blätter einer Karte 1 : 100000 von ganz Zypern für 10,25 Euro verkauft ein sagenhaft günstiger Preis für einen Artikel, von dem Kartenexperten in Deutschland behauptet hatten, es gäbe ihn nicht, weil das Militär hier seine Finger drauf habe. Beglückt ziehe ich mit den zu einem Rohr zusammengerollten Kartenblättern davon, nur um entgeistert zu bemerken, daß dieselben vier Blätter an der Wand des Korridors ausgehängt sind. Da ich sowieso eigentlich nur digitale Aufnahmen einzelner Brennpunkte meines Interesses brauche, suche ich mir diese zusammen und mache seelenruhig und ungestört eine Reihe von Blitzlichtaufnahmen der besagten Stellen auf der Karte, so lange, bis man sich behördlicherseits für mein Tun interessiert. Als schließlich auch das geklärt ist, läßt man mich gewähren … und schließlich kann ich wieder zu meiner Unterkunft zurückfahren und weiß: Ich habe Zypern in der Tasche."

 

 

 


 


"Ich steige aus dem Auto aus und pirsche mich die letzten Meter der Sackgasse bis zu ihrem oberen Ende heran. Dort versperrt ein Metalltor jeden Weiterweg. Eine große '15' ist hier angebracht – was will sie mir sagen? Rechts am Zaun springe ich durch kniehohen Schnee die vereiste Böschung hoch und fotografiere das einzig Fotografierbare hier oben im Grau des Nebels.

Heftiges Schneetreiben setzt ein; keine Sicht mehr. Χιονίστρα, Chionistra, bedeutet 'Frostbeule', von 'to chioni' = der Schnee. Genau so fühle ich mich hier oben im Schneegestöber. Oder bedeutet es einfach nur so etwas wie 'Schneekoppe'? Der Wachhabende im Wärterhäuschen rührt sich nicht, will nicht herauskommen – ich hätte erwarten können, daß er aus seiner sicher gemütlich warmen Kabine heraustritt und mich zurechtweist und Auskunft begehrt, was ich denn hier will. Doch nichts. Nichts rührt sich, und leise rieselt der Schnee. Auch ich bringe nicht die Energie mehr auf, hier in der Kälte, den Wachoffizier herauszufordern, ihn zu fragen, ob ich hineinkommen darf. Obwohl – der Soldat könnte mit Sicherheit Englisch, wäre ja vermutlich sogar ein Engländer. Ich könnte also problemlos erklären, worum es mir geht. Als Engländer würde er sogar meinen Spleen verstehen.

Das Schneetreiben ist mein Glück – der Wachsoldat sieht genauso wenig wie ich, sieht mich also auch nicht. Das Schneetreiben zermürbt mich aber auch: Warum lasse ich mich von schlechtem Wetter beeindrucken? Ich friere an den Fingerspitzen erbärmlich;  erinnere mich an meine Erlebnisse mit türkischem Militär und beschließe, es hat keinen Sinn zu fragen – in diese geheimnisvolle Anlage würde ich mit Sicherheit nicht hineingelassen werden.
"



Dieses Kapitel ist erhältlich als Teil von Buch T und

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