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Das andere Zypern: die Kuzey Kıbrıs Türk Cumhuriyeti – Selvili Tepe – dazu die Enklave Kokkina. Und wo ist der Höchste der neutralen Pufferzone?


De-facto-Regime im Norden Zyperns, das nur von der Türkei als Staat anerkannt wird. De jure gehört das Gebiet zur Republik Zypern.
Zwischen beiden verfeindeten Hälften Zyperns erstreckt sich die Neutralzone – außer an 3 Stellen; so zerfällt die Neutralzone in 4 getrennte Partikel – jedes mit seinem höchsten Punkt natürlich. Und so habe ich schon 6 Bergziele.



"Ne mutlu Türküm diyene" – Glücklich, wer sich Türke nennt – Kemal Atatürk



Wichtig für das Selbstverständnis des "Staates": Man kann ihn nur mit "Visum" betreten.


Auszüge:

 

 

"Ich finde mich also mit meinem Auto beim Grenzübergang Agios Demetios ein. Nein, sagt der griechische Beamte wie erwartet, da könne ich nicht hinüberfahren; gehen allerdings schon. Ich müsse nur drüben die türkischen Kollegen bitten, die würden ein Taxi herbeirufen, und mit dem Taxi könne ich dann fahren, wohin ich wolle. Ich schleppe meine Reisetasche also über die Grenze, kehre bei der türkisch-zypriotischen Grenzkontrolle ein und lasse telefonieren. Dort draußen, am Straßenrand, solle ich mich hinstellen und warten, bis der Fahrer käme: 'Zehn Minuten, dann bestimmt.'

Ich komme mir vor, wie beim Trampen zu alten Studentenzeiten. Einen seltsameren Grenzübergang gibt es kaum auf dieser Welt. Nach zehn Minuten kommt tatsächlich ein Taxi gefahren, ausgestattet mit frommen Sprüchen auf Plaketten ins Armaturenbrett eingelassen, eingraviert in Goldschrift auf grünem Hintergrund. So beschützt von Allah kann nichts passieren auf meiner zwei Kilometer langen Fahrt zu Sun Rent-a-Car in der Abdi İpekçi Caddesi 10. Schnell ist dort wieder ein Auto gemietet und die Reisetasche auf dem Rücksitz verstaut …, und nun kann es endlich richtig losgehen.
"


 

 

"Ich fahre das Bergsträßchen bei der Burg St. Hilarion einfach weiter nach Westen. Das schmale Asphaltband windet sich um die Bergkuppen und -kämme durch einen Wald von Aleppo-Kiefern – Pinus halepensis, Unterart brutia. Es ist neblig, und meine Fahrt daher undurchsichtig. Ganz recht so, denn die Straße ich zur 'kontrollierten Straße' erklärt; seitlich am Straßenrand stehen kleine Schildchen mit der Aufschrift 'Askeri bölge'. Ich ziehe vor, dies alles nicht zu verstehen, und Nebelschwaden helfen mir dabei. 'Militärbezirk' soll das heißen, klar, ich kenne das Wort 'Askari' aus Deutsch-Ostafrika; wie sangen wir doch zu Pfadfinderzeiten? 'Wie oft sind wir geschritten, auf schmalem Negerpfad' …, das Koloniallied, dessen Strophen mit dem Refrain endeten '... Träger und Askari, heia, heia Safari'. Das türkische Wort ist als Fremdwort aus dem arabischen عسكري – askarī – dort ins Suaheli übergegangen und ist in der Bedeutung 'Hilfstruppen' auf Umwegen zurück in den deutschen Wortschatz gekommen."

 

 

 

 

"Dann schlage ich mich 'querwaldein' über den 'Ostgrat' zum Gipfel durch, zwischen den Kiefern gut gegen Sicht gedeckt, über Stock und Stein. Eine halbe Stunde brauche ich, dann stehe ich vor einer roten und einer grauen Antenne, die zusammen mit einem Betonhäuschen von einem Stacheldrahtzaun umwehrt sind. Leise summen die Funkmasten vor sich hin, niemand ist zu sehen, aber der Zaun ist zu hoch, als daß ich ihn überklettern könnte. Ist vielleicht auch nicht nötig, denn ich stehe so gut wie auf dem höchsten Punkt. Das fünfte meiner Liste von 15 Zielen ist abgehakt, nur die Bilanz gefällt mir wegen der Einschränkung 'Zaun' nicht; kann man auf Zypern nicht endlich mal ungestört einen Gipfel besteigen?


Nebel verhindert eine Aussicht. Also schnell weg von hier, bevor ich auffalle!"


"Anlagen des BRT-Instituts Selvili Tepe Zugang verboten". BRT steht für "Bayrak radyo televizyon", wobei bayrak "Flagge" bedeutet.


"Der Selvili Tepe hat mir die Brüchigkeit meiner Berg-'Eroberungen' wieder vor Augen geführt. Nicht nur war ich aufgestiegen bis vor den Zaun der Antennenstation, nur um dabei im Kiefernwald völlig den Überblick zu verlieren. Ich hatte mich nicht einmal getraut, mich auf dem Gipfel niederzulassen, mich frühstückend zu etablieren, wie ich das sonst so gerne tue, ihn zu genießen. Mußte wie ein Dieb davonschleichen, darauf achten, daß kein Zweig unter meinem Tritt verräterisch knackte, mich davonmachen, nur um im Wegfahren meiner Sache völlig unsicher zuwerden und zu einer zweiten, noch riskanteren, noch hoffnungsloseren Attacke anzusetzen. Dann fuhr ich zwar einen Teilerfolg ein – der Nebengipfel war eben nur ein Nebengipfel und nicht wert bestiegen zu werden. Aber all diese Angst nur, um zu Hause zu erkennen, beim Übersetzen eines Schildes, daß sie überflüssig war? Der Selvili Tepe hat mich mit Waffen geschlagen, die ich beim Bergsteigen noch nicht kannte: Angst vor dem Stacheldraht einer Antennenstation, vor imaginären Ordnungshütern, bewaffneten, garstig unfreundlichen."


 


"Was kommt auf mich zu, wenn ich versuche, mich in die Neutralzone zu begeben, dort einzudringen? Inspektion der Karten, die mir zur Verfügung stehen, zeigt, daß die dort anzusteuernden Berge beziehungsweise höchsten Punkte glücklicherweise alle am südlichen Rand der jeweiligen Segmente stehen, also von der wenig bewachten griechisch-zypriotischen Seite her einigermaßen mühelos erreichbar sein sollten. Trotzdem geben mir Berichte über Zwischenfälle in der Vergangenheit zu denken, die ich aufgeschnappt habe."


"Σβήσε ist ein Imperativ und wird 'swisse' gesprochen: 'Schalt aus!' Und der Rest?  Lichtmaschine sagt der Online-Übersetzer. Quatsch: 'die Lichter des Autos' natürlich. Ich soll das Licht ausschalten. Aha, nicht nötig. Ich hab gar kein Auto dabei und kein Licht an.

Der Wachposten steht etwas westlich des Gipfels. Ich muß also weiträumig um den Zaun herum, damit ich nicht entdeckt werde, und mich dann von Osten her wieder an den Zaun heranschleichen, wenn ich am höchsten Punkt gewesen sein will. Gesagt, getan. Verräterisch knacken die dürren Äste unter meinen Füßen. Das Gelände ist schief und nicht ganz einfach zu begehen. An der höchsten Stelle des Zauns ist wiederum niemand zu sehen. So messe ich ungestört auf vier Meter genau: 548 Meter Höhe, 35 Grad 7,423 Minuten Nord, 32 Grad 43,845 Minuten Ost. Das Meßergebnis sagt mir klar, daß ich nicht auf dem gesuchten Berg stehe; weder kommt die Höhe den erwarteten '621' nahe, noch den '590'.

Von der Station aus führt ein Rücken nach Norden weiter und ragt wie eine Schulter noch ein bißchen höher in den Hang hinaus. Dort vorne ist ein Treibstofflager in den Boden eingelassen, bestehend aus zwei Zylindern. Wieder messe ich, wieder auf vier Meter genau und sogar genau auf dem Knopf eines Vermessungspunktes: 553 Meter hoch, 35 Grad, 7,473 Minuten Nord, 32 Grad 43,904 Minuten Ost. Nein, es kann nicht der gesuchte Berg sein.
"


"Richtig: Gegenüber, jenseits des Tals zwischen den Zinken der Gabel, sehe ich jetzt ein kleines Unterstands-Hüttchen stehen, das wie ein Wachposten aussieht. Ich denke, dort muß ich hin. Ein Reh springt vor mir auf, als ich atemlos meinen Fehler korrigiere und durch den 'tiefen Sattel' zurück auf den Hauptkamm haste und den 'richtigen 621er' erstürme. Dort angekommen, messe ich auf fünf Meter genau: Höhe 593 Meter, 35 Grad 7,101 Minuten Nord, 32 Grad 42,292 Minuten Ost. Nun ja, so richtig paßt das auch nicht auf die Angaben in der Karte.

Jetzt nur noch vorgewagt zu dem Wellblechhäuschen unter mir auf dem Absatz. Steht dort eine Wache drin? Mit klopfendem Herzen schleiche ich mich hinunter und an das geheimnisvolle Ding heran. Rufe aus sicherer Entfernung «hallo!», damit sich der Wachsoldat, den ich mir in dem Bunker sitzend vorstelle, nicht überrascht fühlt, wenn ich plötzlich in seinem Rücken stehe. Ich fluche über die Demütigung, die ich empfinde, weil ich in Gegenwart eines imaginären Unbekannten Angst haben muß – ein Gefühl, das Zypern so fremd ist, daß es an sich schon beängstigend ist, schon der bloße Gedanke daran. Mein Gott, wie weit ist es mit Zypern gekommen!"


Tiefblick auf die "verbotene" Enklave Kokkina ...


"Wir gehen zusammen auf den Gipfel neben den Fahnenmast, auf dem die Flagge der Vereinten Nationen weht. Dort steht ein Kontrollhäuschen mit einem Major des 'Ejército Argentino', wie sein Aufnäher am Arm der Uniform verrät. Nicht einmal eigene Uniformen der Vereinten Nationen haben Soldaten, wenn sie unter UN-Mandat tätig werden; seltsam, das argentinische Heer auf Zypern stehen zu sehen!

Wir schütteln Hände. Er ist aus Mendoza. Ha! Guter Anknüpfungspunkt. Ich muß meine Erlebnisse am Aconcagua schildern; drei Mal in meinem Leben bin ich durch Mendoza kommend zum höchsten Berg der Südhalbkugel und der ganzen westlichen Welt vorgedrungen, das schafft persönliche Verbundenheit. Dann darf ich durch das große stationäre Fernrohr schauen, das man in seinem Wachhäuschen installiert und auf einen zweiten argentinischen Posten unten im Tal ausgerichtet hat, direkt vor den wenigen Häuschen Kokkinas. Ich diskutiere mit den braven Argentiniern, was wohl geschehen würde, wenn ich mich zwischen dem griechisch-zyprischen Posten oben an der Straße und den Argentiniern hier durchschliche, vorzugsweise nachts, und zu Fuß eine Rinne hinunter auf Kokkina absteigen würde. Nun, entweder würde ich gleich oben von ihnen oder den Griechen abgefangen werden, meint der Offizier, spätestens aber unten von den argentinischen Kameraden, und ganz sicher von den Türken dort unten. Wie lange sie denn hier Dienst zu leisten hätten, will ich wissen. Sechs Monate, dann käme Ablösung. Der Wächter, der mich als Erster in Empfang genommen hatte, freut sich schon darauf: In zehn Tagen darf er die langersehnte Heimreise antreten."



... alles verboten hier vor Kokkina an der "ARGCON Area 10" des argentinischen UN-Kontingents der UNFICYP (United Nations Force in Cyprus), die seit 1964 die verfeindeten Parteien auseinanderhalten. "Frieden bewahren" heißt die Mission offiziell; in Wirklichkeit handelt es sich um "Krieg vermeiden". Nach rechts geht es auch zu einem "ΦΥΛΑΚΙΟ ΕΛΕΓΧΟΣ" = Wachhaus, der griechischen Zyprer.


"Auf der F740 winde ich mich weiter bergan, bis rechter Hand ein Feldlager der Vereinten Nationen ins Gesichtsfeld kommt. Hoch flattert die blaue Fahne der UN mit der Weltkugel im Ährenkranz im Wind über den Zelten. Die Einfahrt zum Camp ist dagegen mit blau-weiß-blauen Ölfässern markiert, ein erster Hinweis auf die Besitzer: Argentinier. Und die Einfahrt stellt ein rechteckiges Tor dar, überschrieben mit dem Willkommensgruß 'Bienvenidos al PB 03'. Wofür steht denn jetzt schon wieder 'PB 03'? Zypern wirft mit jeder Aufschrift neue Rätsel auf. Aaaah – ich hab's: Patrol Base Nummer 3."


"Ich halte an und steige auf den Hügel – jetzt auf der linken Straßenseite in Fahrtrichtung. Das Tor der Station steht offen. Kein Wort von Fotografierverbot, keine Warnungen. Nichts rührt sich. Anscheinend ist die Stellung verlassen. Fast klettern muß ich, um den Metallgitterzaun zu erreichen, der den Unterstand umgibt. Immer vorsichtig dem Zaun entlang, ohne ihn zu berühren. Da hängen nämlich so merkwürdige zylinderförmige Dosen dran, etwa in der Größe einer Cola-Dose – sind das Erschütterungsmelder? Differenzialdruckmelder? Zaunsensoren? Können die Dinger explodieren, wenn ich sie anfasse?"


"Ich nähere mich auf einer Straße, die an Merkwürdigkeit kaum zu überbieten ist. Sie führt durch einen Schlauch ganz anderer Art, nämlich den Korridor, den sich die Briten in ihrer Sovereign Base Area vorbehalten haben, den Korridor, der von der Enklave Xylotymbou durch britisches Gebiet zum Kloster Agios Nikolaos führt; die Straße führt, nachdem sich der Korridor um das Kloster herum weitet, schließlich aus britischem Territorium heraus, überquert die Demarkationslinie zur Türkischen Republik Nordzypern und endet in Famagusta. Den Korridor durchfahre ich also von Südwest nach Nordost; als er in das britische Gebiet mündet, das das Kloster umschließt, befinde ich mich in der Örtlichkeit Vrysoulles – Βρυσούλες. Hier biege ich rechts – nach Südosten – ab, um in das Dörfchen Agios Geórgios – Αγιος Γεώργιος – zu gelangen, kurz danach wieder liks, durch das Dorf hindurch und an seinem östlichen Rand wieder rechts.

Hier stehen schon die ersten Schilder, die mich warnen: „Stop – no photography – UN authorized personnel and vehicles only“. Meinem Kärtchen nach noch einmal um eine Ecke im Feld nach links, und dann halte ich besser an, bevor es zu spät ist und man mich erschießt.
"


 

Entelao

 

"Jetzt mache ich mich an den Übergang zum Westgipfel. Zuerst wieder an dem Grenzstein mit der Nummer 213 vorbei im Paß zwischen beiden Gipfeln – ist das eine Markierung für die Südgrenze der Neutralzone? Wahrscheinlich eher nicht; noch haben die Vereinten Nationen nicht die Zeit gefunden, ihr 'vorübergehend' besetztes Territorium zu markieren; vermutlich ist es eine einfache Gemeindegrenze, von Athienou zum Beispiel. Dann wandere ich ein Stück eben an der Bergkante entlang, links das Maisfeld, rechts der Steilhang, über den ich hier heraufgekommen bin, und ich stehe vor einer der seltsamsten Strukturen, die ich je auf Gipfeln angetroffen habe: ein wohlgebautes kleines Klo-Häuschen, außen mit Waschbecken und sogar einem Stück Seife. Wasser kommt aus einem überdimensionierten Behälter, der mittels eines Gerüsts über dem Dach des Häuschens gehalten wird. Das ist das weiße Objekt, das ich schon vom Tal aus sah. Alles pico-bello sauber. Grenzstein Nummer 214 daneben. Dahinter die Kapelle, ein bizarres Ensemble!!"

Wie alles in Zypern ist auch dieser Gipfel verunstaltet. Ein Toilettenhäuschen auf einem Gipfel gibt es sonst selten.

 

"Ein paar Schritte weiter, und ich stehe auf dem Ostgipfel, besetzt von einer Kapelle, der Agia Marina geweiht. Was für eine irre Zusammenstellung! Kapelle und Hi-Tech-Scheißhaus. Vor der Kapelle finde ich Grenzstein Nummer 216. Wo ist 215 geblieben? Irgendwie weg."

Grenzstein 214 fristet ein trockenes Dasein am Rand der Neutralzone.

 

"Niemand ist zu sehen – immer wieder muß ich nach irgendwelchen Feinden wittern; ich fühle mich unsicher hier oben. Offiziell stehe ich am Rand der Neutralzone und könnte ungehindert hineinwandern, hinunter nach Athineou – wer würde mich dabei aufhalten? Da kommt ein Bauer von dort heraufgefahren, doch er ist harmlos, sucht nur nach Futter für seine Hasen. Woher ich komme? Aus Germany. Anerkennender Blick, das ist die ganze Unterhaltung."

Dieses Kapitel ist erhältlich als Teil von Buch T und

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