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Aus den Schluchten des Balkan auf Montenegros Höchste – 

Bobotov Kuk im Durmitor oder die Zla Kolata, die Böse – in der Prokletije-Kette? Oder eher Dobra Kolata, die Gute? Oder gar der Maja Rosit ?



Montenegro !

Auszüge:

"Klarste Fernsicht ist heute nach den Regentagen zuvor: Ich habe das Gutwetter-Fenster präzise erwischt. Die hell beschienenen Wolken belassen die Felder in den Tälern im Halbschatten, im Ahnungslosen. Die Sonnenfarben der Gipfelgrate werfen lange Schlagschatten über die Wälder an den Hängen. Ich könnte eitel werden, über das Gefühl einzig zu sein hier oben, fähig Dinge zu schauen, die den sich krümmenden Massen im Tal verborgen bleiben.

Doch wenn ich wie hier aus großer Höhe das Leben im Tal wahrzunehmen versuche, sehe ich immer, selbst bei bester Sicht wie heute, nur eine undeutliche, verworrene Landschaft.

Wahrhaft überlegen bin ich nur, wenn ich als Einziger an einem sonnigen, klaren, kalten Sommermorgen die Faulheit verneine. Dann besitze ich nicht nur ein Tal, eine schattige Höhle voll träger Trübnis. Dann besitze ich vielmehr alle Täler zugleich. Die Sonne, die sonst mühsam und kurz in die Täler dringt, vergoldet die Gipfel für mich, der ich ihr entgegensteige. Dann besitze ich auch die Gipfel. Nicht nur einen: alle! Der hohe Palast, die Betonburg, mag schön sein für die, die sich mit einem Blick vom Tal begnügen, schön für die, die in den Büros ihre Möglichkeiten verdrängen, die sich selbst zum Gefängnis machen. Dieselbe Sonne, die im Tal schnell untergeht, läßt die Gipfel in mannigfaltigen Lichtern erglänzen und geht hier oben nie unter. Nie.

Und doch: Je höher ich stehe, auf desto mehr Dinge muß ich verzichten. Auf dem Gipfel gibt es nur Platz für mich allein. Je vollkommener, desto vollständiger; und um so vollständiger, desto weniger jemand anderes. Ich will das Talvolk nicht haben. Nicht neben mir.


Wie ich da so stehe und schaue, trübt sich der klare Himmel schnell ein, merklich nur für den, der gelernt hat, nicht nur Gipfel in der Ferne zu identifizieren, sondern dabei auch aufs Wetter zu achten. Richtig, es sollte ja laut Wetterbericht schon wieder kippen. Kaum kann ich den Ausblick genießen, da muß ich auch schon wieder absteigen, denn schwarze, tiefe Wolken drohen, und tatsächlich werde ich noch beim Klettern hinunter zum Joch in der Basis des Gipfeldoms kurz vom Nebel eingehüllt."

Ein Berg stolzer als der andere: Oj, visoki, Durmitore -  http://www.youtube.com/watch?v=o6WJB1kzuDQ 

 

In den wilden Prokletije-Bergen

 

An der Grenze zu Albanien: Meinen Sie wirklich "Stop Allah" oder wollen sie sagen "Stop!" "Hier beginnt Allah!" ?

 

Nachtlager auf schiefer Ebene unter den Kolatas

 

“Mit der Zeit kehrt Ruhe ein und ich betrachte die grandiose Aussicht von meiner Kanzel. Links neben mir steht die kalte Nordwand der Zla Kolata, schon in tiefen Schatten getaucht. Meine Füße deuten auf den flachen Gipfel der Dobra Kolata über mir. Mein Kopf weist gegen den Sattel, den ich mir als erstes für morgen vorgenommen habe. So kann ich im Sitzen, angelehnt an den nächsten Felsriegel den Sonnenuntergang über der Maja e Desles verfolgen. Links daneben, versteckt durch den Nordwestpfeiler der Zla Kolata, steht der Maja e Rosit, von dem behauptet wird, er sei der dritthöchste Berg Montenegros.

Auf meiner gefährlich ausgesetzten Aussichtskanzel ist noch Tageslicht genug, um die altsowjetische Militärkarte Albanien 1 : 50000 Nummer K-34-52-Г, Blatt Тети, aus dem Jahr 1977 zu betrachten, die beste, die ich im Internet finden konnte. Bereitgestellt von der Universität Berkeley in Kalifornien kann man sie mit einem einfachen Klick auf http://sunsite.berkeley.edu:8085/albania/50k/11-34-52-4.jpg herunterladen. Hergestellt vom Генералъный штаб, dem Generalstab, ist sie das beste Beispiel dafür, daß in dieser Gegend der Welt nicht alles ganz genau genommen werden kann: Der Karte nach stehen die beiden Kolatas nicht unbedingt auf der Grenze zu Albanien. In der Ausschnittvergrößerung kann ich den 'седл. Преслопит' erkennen, den 'Sattel Preslopit', hier zur Abwechslung mit 2039 Meter eingetragen. Dann ist da ein Punkt 2512 auf der Grenze eingetragen. Soll das die Zla Kolata sein? 22 Meter weniger als heute? Zuletzt ist mit 2553,3 Meter eine 'г. Колятс' verzeichnet, eine 'Gora Koljats', ganz klar auf albanischem Gebiet. Stirnrunzeln; ich weiß nicht, was ich von der Karte halten soll. Sie ist schlicht unbrauchbar.

Solange die Sonne noch scheint, breite ich meine Taschentücher zum Trocknen aus; alles an mir ist durchgeschwitzt. Es ist fast völlig windstill, und die Schönwetterwolken, die sich tagsüber gebildet hatten, sind fast ganz verflogen. Wichtig ist vor allem, was im Westen los ist, denn von dorther wäre, wenn überhaupt, Schlechtwetter zu befürchten, aber dort segeln nur ein paar harmlose Wölkchen.

Die Sonne senkt sich blutrot. Um 19 Uhr 46 ist sie, die mir den Tag über so zugesetzt hat, völlig hinter den Horizont gesunken. Jetzt übernimmt das Zwielicht. Ich muß meine Lagerstatt herrichten und von Steinen und Steinchen säubern. Immer noch schmerzen meine Beine von den Krämpfen; ich muß mich auf engem Raum vorsichtig bewegen, um zu verhindern, daß es mir wieder in die Schenkel fährt. Essen, trinken. Beim Trinken muß ich vorsichtig sein: Ich habe für die zwei Tage nur fünfeinhalb Liter dabei, und die Hälfte ist schon weg.

Ich liebe das ungeschützte Ausgesetztsein, das Suchen und Finden meiner Ziele ohne jegliche fremde Hilfe. Es klingt wie ein Abenteuer, riecht nach Gefahr, und ist doch völlig ungefährlich. Doch das Rätsel des Unbekannten macht die Tour zum inneren Abenteuer. Das Erlebte setzt sich aus einer Vielzahl von Aspekten zusammen: die ungewohnten  Leute, die fremden Sprachen, die aufregenden Bedingungen, das Achten auf das Wetter, ob schnell oder langsam, aufwärts oder abwärts, die Orientierung, die Einteilung der Vorräte und Kräfte, kurz: die veränderte, direktere, unmittelbare Ansicht der Umgebung. Touren so wie diese sind nicht nur eine physische Herausforderung, sondern auch eine mentale. Sie beginnen schon zu Hause am Schreibtisch mit der Planung; sie enden am Schreibtisch mit der Nacharbeitung. Das eigentliche Wandern und Steigen ist nur ein kleiner Höhepunkt im Kontinuum der Befriedigung. Die richtige Dosis Anstrengung und Widerwärtigkeit, Abenteuer und Aufregung verschafft meinem Leben Sinn und Bedeutung: Es kann sich gut anfühlen, von einem Berg abgewiesen zu werden, wenn er mir nur signalisiert, daß er bezwingbar ist, wäre ich nur besser vorbereitet oder besser in Form. Eine Tour kann langweilig sein, wenn sie mich unterfordert. Heute und hier habe ich die richtige Dosis: Es tut weh im Rücken, der Oberschenkelhals drückt, die Expedition geht zu einem gewissen Grad ins Nirgendwo. Sie erfüllt irgendein Grundbedürfnis in mir. Ich sollte vorsichtig sein, daß ich heute nacht nicht den Hang hinabrolle; viel Platz ist nicht zwischen Wand und Kante.

Die Unterlage fühlt sich wie das Nagelbrett eines Fakirs an. Erst blicke ich auf den Großen Wagen, dann lasse ich den Himmel kreisen, und zuletzt ist es die Kassiopeia. Was zwischendrin war, weiß ich nicht so genau: Da war es dunkel und hat weh getan. Da war es still und unklar; ich muß geschlafen haben. Als ich mich mühsam aufrichte, weil der Himmel so merkwürdig graublau ist, fährt mir der Schmerz von gestern wieder in die Glieder. Ich setze mich ächzend und fummle nach meiner Armbanduhr: 5 Uhr 20 ist es. Zeit zum Aufstehen.“


 

Die Nacht bricht herein

 

Bei Sonnenaufgang auf der Zla Kolata

 

 

 

Unterwegs in den Kolatas an der albanischen Grenze



 

Begegnung im Durmitor

 

Selbstbildnis im Spiegel meines rollenden Hotels

 

Stilleben an der Grenzbrücke

 

Dieses Kapitel ist erhältlich als Teil von Buch O und

als CD mit pdf-Datei, 159 Seiten,  davon 142 teilweise mit Bildern, Karten, Wegskizzen und/oder Höhenprofilen, in ansprechender Plexiglas-Hülle, etikettiert, mit Titelbild und Titelbeschriftung,
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