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Mordwinien – Namenloser Punkt im Osten der Republik, wo sich die Straße von Bol'schoj Maresevo südwärts nach Pjangelej mit dem Weg von Mokschalej nach Pitscheury kreuzt


Autonome Republik im Verband der Russischen Föderation, bewohnt von einem finno-ugrischen Volk, mokschanisch und ersjanisch sprechend



Bei Bol'schoj Maresewo abbiegen!



Zwischen Bol'schoj Maresewo und Pjangelej an der Kreuzung liegt der höchste Punkt.
 

Auszüge:

"Wieder einmal auf großer Fahrt nach Rußland. Noch vor der Abreise habe ich den Kocher überprüft und gefunden, daß die Brennstoffzuleitung verstopft war. Es floß kein Benzin mehr, wenn ich den Hahn aufdrehte. Hin- und Herschieben des zentralen Drahts in der Zuleitung brachte den Kocher zwar wieder zum reibungslosen Funktionieren, aber nur für ein einziges Mal, dann war die Leitung wieder verstopft. Zum Glück hatte ich den Kocher mehrfach vor der Abreise geprüft. Der Sinter in der Leitung war nicht mehr zu entfernen; also mußte ich einen neuen Kocher kaufen.

Das Auto in eine Inspektion zu geben wäre auch eine gute Idee gewesen. Ich beließ es bei einem Öl- und Filterwechsel. Wonach bei einer simplen Stadtfahrt in Frankfurt plötzlich der Motor erstarb und ich nicht mal mehr neu zünden konnte: Zahnriemen gerissen. Eine Inspektion zur rechten Zeit hätte bedeutet, daß der Zahnriemen erneuert worden wäre. So waren jetzt Zylinder verbogen und mußten für teures Geld ersetzt werden.

Warum erzähle ich das? Nur um Bewußtsein dafür zu schaffen, daß es besser ist vor einer solchen Reise zu wissen, was auf mich zukommen kann. Besser immer noch hier als in Rußland! Besser noch in einem Land, dessen Sprache ich spreche, als irgendwo in der Steppe.

Wie üblich habe ich beim Packen an alles Mögliche gedacht, nur nicht an einen Lappen, mit dem ich ab und zu das Armaturenbrett hätte abwischen können. Rußland besteht seit der letzten Eiszeit aus feinmehligem Sand und Staub; Fahrten von über einer Woche bedeuten, daß sich ein stabiler Zustand des Verdrecktseins einstellt. Ohne Lappen muß ich das nun durchstehen. Auch harte, große Plastiktüten für Abfall habe ich vergessen. In
Rußland bekommt man immer nur dünne, kleine Tüten, die sofort reißen, wenn man sie für Abfall benutzt.

Aber solche Kleinigkeiten sind zu verschmerzen; sie wieden nichts gegen die Freude auf eine abenteuerliche Fahrt. Dabei bin ich mir nicht einmal sicher, worin das Abenteuer überhaupt liegt. Wahrscheinlich ist es gar keines: Ich werde nur weit weg sein, hilflos abgeschnitten von der Heimat, in fremder Umgebung. Aber Abenteuer? Nein, Rußland ist ein ganz normales Land, wenn man sich daran gewöhnt hat."


Friedhof von Pjangelej

 

Die höchste Stelle: 324 m, am Wegrand links

 

"Von der Hauptstraße Richtung Tschamzinka bei Punkt 311 – das ist gleichzeitig der höchste Punkt an der Straße – zweigt spitzwinklig ein kleines unbeschildertes Sträßchen nach hinten ab, das endlich perfekt der Karte entspricht; es führt zuerst praktisch parallel zur Hauptstraße, dann von Nordosten in Richtung Bol'schoj Maresewo. Ich stelle mein Kilometer-Zählwerk auf Null. Bei Kilometer 3,9 geht der anfangs schotterige, dann lehmig zerfurchte Weg mit vielen Wasserlachen sanft abfallend in eine Asphaltstraße über, die an einer Kreuzung herauskommt; ich muß geradeaus weiter, an ein paar Häusern von Bol'schoj Maresewo vorbei. Dann tritt die Straße ansteigend in einen Wald ein, zuerst einer Stromleitung auf der rechten, dann auf der linken Seite folgend. Bei Kilometer 7,0 ist ihr höchster Punkt erreicht. Bei Kilometer 11,4 stehe ich am südlichen Ortsende von Pjangelej. Der Weiler ist nicht als solcher bezeichnet, es kann aber kein Zweifel bestehen. Die Fahrt war zur Orientierung nötig. Jetzt kann ich die Sache von hinten aufrollen.

Wieder 3,7 Kilometer zurück bis fast an den höchsten Punkt der Straße im Wald. Hier zweigt nach Westen ein Feldweg ab, der mitnichten die Qualität hat, wie sie die Karte nahelegt, aber es gibt keine Alternative. Laut Karte soll dieser Weg nach Mokschalej – Мокшалей – führen; wieder fehlen Wegweiser. 1 Millimeter nach Westen messe ich auf der Karte 1 : 200000, das sind also 200 Meter in der Natur, und ich stehe am höchsten Punkt Mordwiniens, Punkt 324, am linken Wegrand.

Ich schaue mich um, ob ich irgendwo am Boden im Gras einen Punkt entdecken kann, der einen Tick höher ist als seine Umgebung. Ich entschließe mich dann zu einer Stelle, etwa 20 Meter südlich des Wegs am Waldrand und messe auf fünf Meter genau am Boden: 324 Meter Höhe, 54 Grad 18,813 Minuten Nord, 45 Grad 41,328 Minuten Ost. Hervorragende Übereinstimmung mit der Karte!"



 

Weiß - blau - rot – stolzes Rußland

 

Sowjetrelikt: die Geflügelfarm – wörtlich "Vogelfabrik" – Otradnenskaya. Отрадный = erfreulich

 

Begegnung am Straßenrand: trampender Pope


"Immer wieder erstaunlich ist, wie ich mich durch russische Städte schlage. Hineinzufinden ist kein Problem, aber heraus!? In Penza ist es mal wieder so weit, daß ich fragen muß. Ich versuche es zuerst in einem Magazin-Produktow an der Tschechow-Straße im Zentrum, in einem Lebensmittelladen also, denn ich will bei der Gelegenheit auch Joghurt und Butter kaufen. Beides haben sie nicht. Nach Saransk will ich, die Hauptstadt Mordwiniens, das heißt sie sollen mir hier im Laden sagen, wo die Straße nach Saransk ist: 'Где дороге в Саранск?' Gdje dorogje w Saransk? Oder heißt es 'do Saransk'? Oder gar 'po Saransk'? Und kommt an das 'Saransk' hinten keine Endung dran? Entweder habe ich im Sprachkurs nicht aufgepaßt, oder wir haben das nicht durchgenommen.

Zwei Verkäuferinnen schauen mich aus großen, runden Augen an. Es ist immer wieder amüsant zu erleben, wie strunz-dumm Verkäuferinnen in Rußland sind, abgehängt von der Gesellschaft der Biznesmeni. Wo ist die Straße nach Saransk? „Ja ni snaju“ – weiß nicht, ist das einzige, was die eine hervorbringt. Westen, Osten, Norden, Süden – Sapad, Wostok, Sever, Jug? Ja ni snaju. Also steige ich wieder in mein Auto und fahre langsam die Straße entlang, damit ich ja kein Schild übersehe.


Einem Polizisten bin ich offenbar zu langsam, er winkt mich mit seinem Schlagstock an die Seite. Übliches Sprüchchen: 'Ja turist iz Girmani, ja ni gawarju pa-Russki' und so weiter. Ob mein Auto nicht in Ordnung wäre, will er wohl wissen. Ich verstehe nur 'rabotaet', soll 'funktioniert' bedeuten; 'rabotaet' bedeutet aber für mich in erster Linie 'arbeitet'. Ich verstehe also das Naheliegende, was ich denn arbeite. 'Ja pensionär', antworte ich reichlich unpassend.

Wie bitte? 'Ja pensjonar', sage ich noch einmal leicht abgewandelt. Er schaut mich aus ebenso dummen wie machtbewußten Augen an, kann mit mir nichts anfangen. Kurzer Prüfblick durchs Fenster ins Auto, dann sagt er so was wie 'sluzh' … oder 'slizh', 'zlush' …, 'zlish', was weiß ich, und macht ein Zeichen zum Weiterfahren.


Mehrere wilde Kurven auf vielbefahrenen Hauptverkehrsstraßen, dem Sonnenstand nach nach Norden zuhaltend. An der Ampel Fenster runtergekurbelt und dem Nachbarn das Zeichen gegeben, daß er es ebenso tun soll. Schnell von Fenster zu Fenster gerufen: 'Izwinitje pazhalujsta, doroga do Saransk?' Ja, ich bin richtig, die nächste Ausfahrt nach rechts. Gut, problemlos erledigt. Dort verläuft sich der Verkehr in einer Kurve, in der ich tatsächlich den Wegweiser 'Saransk' entdecke.

Hilft aber nichts: Er weist mich in eine Baustelle hinein, die die gesamte Straße absperrt. Ich muß die Baustelle umfahren, um auf die ersehnte Straße zu gelangen, die sich hinter ihr erstrecken mag, aber wie? Nach Gefühl eben, wieder ein paar Kurven, aber vergeblich: Ich lande weit abseits bei einer schlaglochübersäten Nebenstraße, die zu einem Baumarkt – jawohl, Баумаркт – führt. Ich lerne wieder, in jeder Lebenslage lerne ich hier an der Straße: Baumarkt auf russisch heißt Baumarkt. So einfach kann russisch sein!

Ich muß umdrehen. Einem entgegenhoppelnden Fahrer gebe ich Zeichen, daß er halten soll. Fenster runter: 'Saransk?' Er zeigt mir, daß ich ihm folgen soll, zu kompliziert, die vielen Winkelzüge zu beschreiben. Großartig immer wieder, wie hilfsbereit Russen sind!"


Audiodatei der Stimme Rußlands: Die Mordwinen – http://german.ruvr.ru/listen_audio/34227953.html

Dieses Kapitel ist erhältlich als Teil von Buch R und

als CD mit pdf-Datei, 50 Seiten, davon 44 teilweise mit Bildern, Karten, Wegskizzen und/oder Höhenprofilen, in Plexiglas-Hülle,
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