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Heiligtum Sloweniens – Triglav




Drei Häupter hat der Triglav dem Namen nach – ich sehe nur eines.

Ihm zu Ehren zu singen: http://www.youtube.com/watch?v=8s4TnkmHSPw

Auszüge:


 „Die ersten Wanderer wecken mich früh am Freitag. Um 7 Uhr bin ich auf den Beinen. Es ist schwülwarm, schon jetzt am Morgen; der Wetterbericht gestern war schlecht. Am Partisanendenkmal mit seinem großen Mauerhaken vorbei führt der Weg zu einem verharschten Lawinenrest, der als Bachübergang dient. Hier trennt sich der 'Čez Prag', der Prag-Weg vom Anstieg zum Luknja-Paß, der Lücke hinten am Horizont, durch die man in das Nachbartal kommt. Nach links zieht der gut markierte Weg der Wandflucht zwischen dem Cmir und dem Triglav entgegen. Die ersten Kletterstellen sind einfach und mit Haltestiften gut gesichert. Ein Tropfen fällt vom Himmel. Ich blicke nach oben. Nebel zieht das Vrata-Tal herauf. Der Steig wird steil. An den ersten Drahtseilen, wo es schwieriger wird, halte ich mich fest und ziehe mich nach oben. Schweiß sammelt sich auf der Stirn. Meine Hand wischt nur teilweise darüber, riecht nach rostigem Eisen. Viele Tröpfchen vereinen sich zu einem großen Tropfen. Der Tropfen rinnt kitzelnd über die Nase, den Nasenflügel herab, hält sich zögernd zitternd eine Weile am Nasenloch, bis ich entweder einen scharfen Schritt tue oder mit vorgestellter Unterlippe Luft nach oben puste. Dann fliegt er fort.

Wieder fällt ein Tropfen vom Himmel. Der Nebel hüllt die Berge jenseits des Talgrunds jetzt ein. Steil steigt der Pfad. Der Schweiß rinnt jetzt auch über die Brillengläser. Abwischen hilft nicht. Die Schweißtropfen hängen an der Innenseite der Gläser. Die Sicht wird trüb. Es fallen drei Tropfen vom Himmel, kurz hintereinander.

Ich steige so schnell ich kann. Hinter mir ein slowenisches Ehepaar. Ich will sie nicht überholen lassen. Sie sind die einzigen, zu denen ich Kontakt haben könnte. Ich muß schnell steigen, wenn ich deutlich vor ihnen bleiben will. Der Schweiß rinnt jetzt von den äußeren Augenwinkeln brennend in die Augen. Es beginnt leicht zu regnen. Ich steige weiter. Es regnet mehr. Noch ist es nicht nötig, das Regencape herauszuholen. Es donnert in der Ferne. Der Regen hört nicht auf. Es donnert wieder. Der Regen wird stärker. Ich setze den Rucksack ab, hole den Regenumhang heraus, ziehe ihn an. Das slowenische Ehepaar hat zu mir aufgeschlossen. Sie tun dasselbe. Zusammen stehen wir schweigend da. Was tun? Weitergehen im Regen ist beschwerlich. Stehenbleiben und warten?“



 

Hoch zum Kleinen Triglav

 



"Es ist ein lustiges Völkchen, das hier voll im Gipfelglück um die Tonne herumsitzt. 'Aljažev stolp' heißt das Ungetüm – Aljaž-Turm, das als Faradayscher Käfig für vier, notfalls fünf Mann Unterstand bei Unwetter bietet; der bergbegeisterte Pfarrer von Lengenfeld hat es 1895 errichten lassen. Sogar einen Stempel kann man hier oben in sein Tagebuch drücken. Stempel sind der Ausdruck der Sammelleidenschaft der Bergsteiger: 'Hier war ich', sagen sie tiefsinnig. Abgehakt.

Die Ankommenden müssen unter dem Hallo der Anwesenden ihren Kopf zur Tür der Tonne hineinstecken und erhalten dann einen Schlag mit einer Seilschlinge auf den Hintern. Das ist das Opfer, das dem dreiköpfigen Gott darzubringen ist. Die Weihe. Ein Neuankömmling ist Amerikaner, Yankee aus Boston. Auch er muß in die Tonne hinein. Die Stimmung steigt. Ein Yankee auf dem Triglav! Das hat es schon lange nicht mehr gegeben. 'You are now half Slovenian', sagte einer zu ihm. Man hört die Vorsicht heraus: 'Half', nicht ganz. Zu tief sitzt noch die Abneigung gegen die kulturelle Führungsmacht ohne Kultur. Ich glaube, ich muß meine Abneigung gegen Amerikaner aufgeben. Wenn Amerikaner auf den Triglav steigen, habe ich Hoffnung für die amerikanische Nation. Wenn Amerika nur 'half Slovenian' würde, es wäre das Paradies auf Erden.

Das Zeremoniell trägt religiöse Züge. Und so stehen wir alle im Halbkreis und opfern auf dem selbsternannten Altar des altersgeweihten, sagenumwobenen, Gottheitsnähe verkündenden Triglav-Gipfels. Um uns herum ragen die Spitzen der Trabanten aus Zlatorogs Zauberland wie Zwerge zum Himmel."


Und oben quer zum Hauptgipfel mit dem Aljažev stolp

 


„Und dann bin ich am Auto. Brav hat mein Auto auf mich gewartet. Schnell Stiefel und Strümpfe aus, etwas Leichteres an. Rucksack verstaut. Brot, Käse, Wurst, Tomaten bereitgelegt, und, wichtig: den Flaschenöffner dazu! Mit Ehrfurcht öffne ich die Zwei-Liter-Flasche Tafelwein 'Weingartl' vom Winzerhof Paul, ein österreichisches Gewächs. Das geht mit einem Flaschenöffner, denn meine Weine sind mit Kronenkorken in Großflaschen verschlossen. Meine Weine sind praktisch. Einen Korkenzieher habe ich nicht.

Ein großartiger Genuß ist das, die ersten Schlucke zu tun, während draußen das Gewitter mit voller Macht losbricht. Ich hebe das Glas. Die Scheibe beschlägt. Ich sehe nicht mehr, was draußen vor sich geht. Ich höre nur noch Geprassel und Donnerschläge. Ich war auf dem Triglav. Laß es gewittern.

Ich drehe das Radio an. Radio Kärnten sendet. 'Wir wollen leben wie die Made im Speck, wir haben lange genug nachgedacht', ist der Refrain des geistig platten Hitprogramms. Das paßt zu meiner Verfassung. Ein Blitz geht nieder. Ich sitze trocken im Subaru, hebe das Glas billigen Tafelwein aus der Zwei-Liter-Flasche. 'Wir wollen leben', plärrt Radio Kärnten weiter. Jawohl, nach der Anstrengung darf gelebt werden. Und dem Triglav will ich danken, daß er mich auf dem Haupt seines Dreikopfes stehen ließ, dem Wetter danken, daß es in entscheidenden Phasen stillhielt, aber herausforderte, wo es angebracht war, und Gott, daß er mir Slowenien, den Triglav, das Wetter und die herrliche Zwei-Liter-Flasche beschert hat. Verschnitt von Weinen aus mehreren Ländern der Europäischen Gemeinschaft, steht auf dem Etikett. Was soll´s: schmeckt trocken, gut und geht in die Birne.

Draußen schifft es in Strömen, es ist kein Halten mehr. 'Auf der A 2, der Südautobahn, kommt Ihnen im Großraum Villach ein Radfahrer entgegen, bitte überholen Sie nicht.' Radio Kärnten sendet unermüdlich weiter. Radio Kärnten stellt plötzlich aufs slowenische Programm um. Ein Sender im Land des Jörg Haider schaltet auf slowenisch um. Unerhört. Der Landessender des österreichischsten aller Länder, das den Landeshauptmann Haider von den Rechtsliberalen gegen kriminelle Ausländer zu Felde ziehen läßt, weiß offenbar fein zu unterscheiden und ist nett zu seiner slowenischen Minderheit. Alle Hochachtung.

Die slowenische Nation lebt in Kärnten in der Minderheit, etwa 20000 Seelen stark, und genießt Minderheitenrechte. Die Slowenen in Kärnten unterstützen ihren Landeshauptmann, der als populistisch verschrien ist. Offenbar redet Haider populistisch, handelt aber vernünftig. Meistens ist es bei Politikern andersherum.

Die Welt ist in Ordnung. Ich sitze in meinem Auto im Trockenen. Ich sitze aber nicht auf dem Trockenen. Habe die Zwei-Liter-Flasche neben mir. Triglav im Kopf. Im slowenischen Programm des Radio Kärnten kommt eine Durchsage auf deutsch: 'Der Radfahrer hat die Autobahn verlassen. Wir können Entwarnung geben.' Was ein Glück. Der Ansager kann anscheinend kein slowenisch, sonst hätte er mitten im slowenischen Programm nicht deutsch sprechen können. Draußen schifft es weiter. Radio Kärnten dudelt wieder.

Da kommt wieder eine Unterbrechung, noch eine Durchsage: 'Autobahn A 2. Wiederum kommt Ihnen im Großraum Villach ein Radfahrer als Geisterfahrer entgegen. Wir geben Entwarnung, sobald er die Autobahn verlassen hat.' Der übliche Wahnsinn hat mich wieder eingeholt. Eigentlich brauche ich mich gar nicht zu besaufen.

Das slowenische Programm von Radio Kärnten sendet jetzt Kirchenlieder und Folklore. Paßt gut zu den Slowenen. Die Stehen auf einer höheren Kulturstufe als die Seicht-Österreicher mit ihrem 'Leben wie die Made im Speck.' Schon wieder eine Ansage: 'A 2, Raum Villach. Der Geister-Radfahrer hat nun, so hoffen wir wenigstens, endgültig die Autobahn verlassen.' Weiter geht es mit slowenischer Folklore.

Endlich mal ein attraktives Rundfunkprogramm. Unter der Ägide von Jörg Haider von den Freiheitlichen. Und ich habe mir die Freiheit genommen, die Zwei-Liter-Flasche Tafelwein 'Weingartl' zwischen die Beine zu stellen, eingeklemmt zwischen Kupplungs- und Bremspedal in meinem Subaru. Alles für den Triglav! Ich war oben. Voll besoffen.

Blitz, Volltreffer, ganz in meiner Nähe. Jetzt kommt es heftig, der Regen prasselt nur so auf das Autodach. Vor mir wedeln die Büsche im Wind. Blitz und Donner in direkter Abfolge. Nichts ist mehr zu unterscheiden. Blitze und Donner durcheinander. Radio Kärnten berichtet, wie die Wiener Austria gegen den FC Kelag Kärnten spielt. Wen kümmert das? Absolut passend zum Gewitter-Horror. Nichts kann mich mehr berühren. Ich krieche in die Heia auf den flachgelegten Sitzen hinter mir. 'Thomas Ambrosius sprintet herein in den Strafraum!' Es sind jetzt vierzehn Minuten gespielt zwischen FC Kelag Kärnten und Austria Wien. 'Dragan Zarač, der Slowake, läßt sich zurückfallen.' Null zu null nach wie vor der Spielstand. 'Almedin Hodea setzt sich im Laufduell durch, aber hängengeblieben bei Sascha Papaz. 10500 sind da, eine herrliche Kulisse. Schuß und ins Außennetz! Angespielt von Roman Stary, aber der Ball landet leider im Außennetz.' Die ganzen Völkerschaften der österreichisch-ungarischen Monarchie scheinen zum Kicken angetreten zu sein. Draußen regnet und blitzt es weiter. 'Wir blicken auf die Uhr: 26 ½ Minuten gespielt, es steht immer noch 0 : 0. Roman Stary windet sich tief drinnen in der Hälfte von Austria vor Schmerzen. Jetzt ist er aber auf den Beinen, humpelt noch ein bißchen. Und dann geht er hinaus über die verlängerte Seitenlinie. Von einer Darmgrippe durchgebeutelt letzte Woche, findet der Heimo den Isländer. Stanko Pupo hätte mehr daraus machen können. Zoran Pavlovic ist zu Boden gegangen. Thomas Ambrosius kommt um den Bruchteil einer Sekunde zu spät.'

Heiliger Ambrosius! Blitz und Vollkrach. Hell erleuchtet ist meine Kemenate im Subaru. Es ist 12 Uhr nachts, und das Gewitter hat sich noch nicht beruhigt. 'Jetzt hat er unseren Thomas Ambrosius umgerannt. Ambrosius liegt am Boden, doch der Unparteiische läßt weiterspielen.' Schade, daß sie den Krankl nicht mehr spielen haben in Österreich, der war so ein feiner, kranker Fußballer. Jetzt knödelt der Hans Krankl beim Tabellenletzten Mödling als Trainer. So ist´s auch mit mir gegangen: Zuerst stieg ich auf Fünftausender, Sechstausender, bis an die Siebentausend-Meter-Grenze. Jetzt kranke ich im Vrata-Tal am Triglav herum.“



 

Julius Kugy, der Erschließer der Julischen Alpen

 

Eine heilige Stätte: das Dreiländereck Österreich / Italien / Slowenien – zugleich auch Verbindungspunkt dreier großer Sprachräume Europas: germanisch / romanisch / slawisch

 

 

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