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Klein, aber hochaktiv -  Stromboli 

Auch ein Rekord: Der aktivste Berg Europas

 


Auszüge:


„Wieder habe ich viele Einzelheiten ausgeschüttet, selbst wie ein Vulkan, ungeordnet und, für sich allein betrachtet, alle völlig unerheblich. Was bleibt, ist die Einsicht, daß hier ein munteres Wechselspiel von Aufbau und Zerstörung abläuft. Löcher werden mit Tephra und Lava aufgefüllt, Spratzkegel angehäuft, oft über Jahre ungestört; eine Großexplosion oder mehrere aufeinanderfolgende können die Bauwerke innerhalb weniger Tage zerstören, das Füllmaterial wegblasen und riesige neue Krater aufreißen. Was ich als Bergsteiger und Sammler von höchsten Punkten mitnehme, ist die Erkenntnis, daß mein Tun keinen bleibenden Wert hat. Was heute am Stromboli der höchste Punkt ist, was an jedem beliebigen Vulkan der höchste Punkt ist, kann morgen ein anderer, noch höherer sein. Wenn es die Natur will, wenn der Druck im Inneren hoch genug ansteigt, kann auch die ganze Bergspitze wegfliegen, und was damals der höchste Punkt war, wäre morgen gar nicht mehr da. Vulkane sind nicht faßbar. Ich kann mich an ihnen nicht festhalten.“


„An einem Spätseptember- oder Frühoktobertag kann das Wetter am Stromboli recht stürmisch sein. Wenn dann wieder Sonnenschein und Windstille kommt, ruft das Hunderte von Touristen auf den Plan, die am Gipfel übernachten wollen. Dort herrscht dann Überfüllung. An anderen Tagen, wenn ein kräftiger Scirocco bläst, machen es nur hartgesottene Stromboli-Fanatiker zum Gipfel, werden oben aber mit exzellenter Sicht auf die Krater und ihre Ausbrüche belohnt. Die Nächte am Berg sind dann nicht zum Schlafen da, nur noch zum Schauen und Lauschen. Niemals werde ich wieder solch ein farbenprächtiges Schauspiel sehen, niemals mehr erschaudern vor dem rollenden Grollen aus dem Erdinneren, niemals mehr bei den befreienden Schüssen aufatmen. Meine Berge, zu denen ich gerne sonst spreche, sind alle tot. Stromboli aber lebt. Beim Stromboli versagen mir die Worte. Ich steige langsam wieder ab. Der Mond leuchtet mir hell heim. Im Dorf erwartet mich endlich ein Bett. Endlich schlafen, schlafen und nur noch träumen ...“


„In einer windigen, stinkenden Nacht, die Haut von Schweiß und Asche verklebt, den Faulgeruch von beißenden Gasen in den Haaren, Staubkörner, Schwefeltränen und Nachbilder von Blitzen auf der Netzhaut, Böllerschüsse des wütenden Berges im Ohr, Kautschuk in den willenlosen, übermüdeten Gliedern und den Kopf voller Einbildungen von Urgewalten und brodelnden Passionen, steige ich ein letztes Mal den Pfad vom Stromboli herab.

Weiter wird der Berg schießen und krachen, wird Ströme von Lava die Sciara hinuntersenden, wird weiter bauen, Jahr für Jahr, an seinem Kegelgebäude. Wird höher werden. Wird immer als einer der höchsten in meinem Gedächtnis haften – auch mit seinen nur 900 und irgendwas Metern.“




Glut unter Morgennebel



Regenbogen über Strombolicchio



Dieses Kapitel ist erhältlich als Teil von Buch L und

als CD mit pdf-Datei,  210 Seiten, davon 182 teilweise mit Bildern, Karten, Wegskizzen und/oder Höhenprofilen, in ansprechender Plexiglas-Hülle, etikettiert, mit Titelbild und Titelbeschriftung,
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